Digitale Transformation
im Privat- & Familienleben

Die digitale Transformation hat sehr positive Auswirkungen auf unser Privat- und Familienleben. Denken wir an unsere Smartphones, ohne die wir uns ein Leben kaum mehr vorstellen können. Haustechnik erleichtert unser Leben und ermöglicht auch länger selbstbestimmt zu Hause zu leben. Im Auto erleichtern diverse Assistenten die Fahrt und wir können uns kaum noch vorstellen, wie es war, ohne Navi unterwegs zu sein.

Es gibt aber auch große Herausforderungen. Dem Journalismus wurde die Finanzierung entzogen. Fake News & Hate Speech machen sich im Internet breit. Die Bevölkerung traut keinen Fakten mehr und auch das Vertrauen in die Politik und Unternehmen schwindet. Die Menschen haben Zukunftsängste (z.B. Jobverlust) und suchen Sicherheit und Halt. Wir wollen uns gemeinsam diesen Herausforderungen stellen und Lösungsmöglichkeiten suchen.

Aus unserer Sicht sind die großen Handlungsfelder der digitalen Transformation:

Bildung

Die Grundzüge unseres Bildungssystems stammen von Alexander von Humboldt, der von 1769-1859 gelebt hat. Er hat das dreistufige Schulsystem, das bis heute die Basis der Ausbildung unserer Kinder ist, eingeführt. Ziel dieses Schulsystems war es, Fabrikarbeiter zu schaffen. Die Menschen standen damals vor einer ebenso großen Herausforderung wie heute. Durch die industrielle Revolution verloren viele Menschen ihren Beruf als Landarbeiter und wurden durch Traktoren und Maschinen ersetzt. Gleichzeitig entstanden neue Beschäftigungen als Fabrikarbeiter in den Städten.  Das Schulsystem versuchte also, den Kindern in den Volks- und Hauptschulen das Wissen beizubringen, um brave und gute Fabrikarbeiter zu sein. Die Gymnasien dienten dazu, wenige kaufmännische Angestellte heranzubilden, und die Hochschulen, noch weniger Ärzte und Rechtsanwälte. Diese Ziele erreicht das Schulsystem bis heute hervorragend, nur dass wir keine braven Fabrikarbeiter mehr benötigen, sondern kreative, teamfähige, eigenverantwortliche Mitglieder unserer Gesellschaft.

Die Fragestellung ist also, wie wir unser Bildungssystem so verändern können, dass es die Fähigkeiten fördert, die unsere Gesellschaft heute benötigt.

Arbeit

Die Arbeitswelt verändert sich derzeit grundlegend. Laut aktuellen Studien wird es ca. 50% der heutigen Berufe in 20 Jahren nicht mehr geben. Es wird dafür aber eine Vielzahl von neuen Berufen geben, die wir heute noch nicht kennen. Das stellt das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Natürlich sind aber vor allem die Menschen betroffen, die heute in derartigen Berufen tätig sind.

Lebenslanges Lernen ist eines der großen Schlagwörter. Wir müssen uns als Gesellschaft darum bemühen, den betroffenen Menschen bei den Veränderungen zu helfen.

Neu ist auch, dass nicht mehr nur Schichten mit geringen Qualifikationen betroffen sind – es sind nun auch Menschen betroffen, die ein hohes Bildungsniveau haben. Beispielsweise können Computer mittlerweile Röntgenbilder mit einer geringeren Fehlerquote auswerten als das Radiologen können; es können beispielsweise auch einfache Rechtsberatungen mittlerweile von Computern übernommen werden.

Es ist natürlich positiv, dass einfache repetitive Tätigkeiten nicht mehr vom Menschen ausgeführt werden müssen. Wir müssen uns aber auch Gedanken machen, was wir gesellschaftlich verändern müssen, um diese Veränderungen positiv zu nutzen.

(Grund-)Rechte

Definition

Unter Grundrechten werden durch Verfassungsgesetze gewährleistete Rechte verstanden, die Einzelpersonen vor Eingriffen des Staates schützen sollen. Es handelt sich dabei um Rechte, die grundsätzlich jeder Einzelperson dem Staat gegenüber durch Rechtsvorschriften im Verfassungsrang eingeräumt sind. Manche Grundrechte gelten für alle Menschen (Menschenrechte), andere nur für Unionsbürgerinnen/Unionsbürger. (Quelle: help.gv.at).

Die Grundrechte sind also Abwehrrechte des Bürgers vor überbordenden Eingriffen des Staates ins Privatleben. Die Grundrechte sind in vielen Bereichen Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie und für einen freien Rechtsstaat.

Bei folgenden Rechten handelt es sich beispielsweise um Grundrechte:

  • Recht auf Leben
  • Recht auf persönliche Freiheit
  • Recht auf Gleichheit aller StaatsbürgerInnen vor dem Gesetz
  • Recht auf Freizügigkeit der Person und des Vermögens
  • Recht auf Unverletzlichkeit des Eigentums
  • Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit
  • Recht auf Datenschutz
  • Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens
  • Recht auf Vereins- und auf Versammlungsfreiheit
  • Recht auf ein Verfahren vor dem gesetzlichen Richter
  • Recht auf eine gerichtliche Entscheidung in Zivil- und Strafsachen und auf ein faires Verfahren sowie auf einen rechtsstaatlichen Mindeststandard im Strafprozess

Grundrechte in der “digitalen Welt”

Einige dieser Grundrechte sind auch von der digitalen Transformation betroffen. So steht beispielsweise unzweifelhaft fest, dass es nicht stattlich ist, wenn Briefe im Postamt aufgerissen und gelesen werden. Bei E-Mails ist man sich nicht mehr so sicher. Hier schnüffeln Behörden und vor allem Geheimdienste ungeniert.

Das Recht auf Datenschutz ist ebenfalls ein Grundrecht. Allerdings ist auch hier zweifelhaft, ob sich alle Konzerne und auch der Staat wirklich daran halten.

In vielen Bereichen werden Entscheidungen auch nicht mehr von gesetzlichen Richtern getroffen. Die “Rechtsprechung”  wird quasi privatisiert.

Es gibt hier also eine Menge Fragen und Herausforderungen, die in der “analogen Welt” unbestritten sind, für die “digitale Welt” aber noch gelöst werden müssen, .

Medien

Fake News ist ein Schlagwort, das man in letzter Zeit allzu oft hört. Zu Recht oder auch manchmal zu Unrecht. Früher gab es wenige Medien, über die Bürger Informationen erhalten haben. Zeitungen stellten Journalisten an, die aktuelle Vorkommnisse berichteten und darüber objektiv informieren sollten. Unabhängig sollten sie sein, diese Medien, um objektiv und ohne Beeinflussung berichten zu können. Die Finanzierung erfolgt über den Verkauf dieser Inhalte, über Werbung (hier wurde darauf geachtet, dass es innerhalb der Medien eine undurchlässige Wand zwischen Werbevertrieb und Redaktion gab) sowie über staatliche Medienförderung.

Heute ist jeder und jede ein Journalist und kann über vor allem soziale Medien seine/ihre Informationen an eine große Zielgruppe verbreiten. Dadurch ergeben sich zwei Effekte:

  1. Jedermann/frau ist Journalist
    Eine Vielzahl von BloggernInnen, VideobloggerInnen produzieren Artikel und Videos. Dadurch ist die Erstellung von Inhalten, die einem breiten Publikum zugänglich sind, nicht mehr den Ethikregeln des Journalismus unterworfen. Eine Qualitätskontrolle durch die Chefredaktion gibt es nicht mehr.
  2. Qualitätsjournalismus wird die Finanzierung entzogen
    Medien nehmen immer weniger über Werbung ein. Dadurch wird der Finanzierung der Journalisten und Journalistinnen das Geld entzogen. Es gibt eine dramatische Verschiebung der Werbeeinnahmen hin zu sozialen Medien und Online. Diese produzieren aber selbst keine Inhalte, sondern dienen nur als Plattform zur Verbreitung von nicht selbst produzierten Inhalten.

Diese Veränderungen führen dazu, dass Konsumenten von Informationen verstärkt überprüfen müssen, wie glaubwürdig Informationen sind. Man kann nicht einfach mehr darauf vertrauen, dass das, was man liest, auch wahr ist. Durch diesen Effekt sinkt naturgemäß auch das Vertrauen in etablierte Medien.

Zusätzlich nimmt die Anzahl kritischer Journalisten ab, denn die Medien können diese aus ihren schwindenden Einnahmen nicht mehr finanzieren. Eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würde diese Entwicklung nur noch beschleunigen.

Wir müssen, als Gesellschaft versuchen den Menschen zu helfen, nicht alles, was man im Internet liest, zu glauben und Quellen zu hinterfragen. Medienbildung ist eine sehr wichtige Disziplin. Zusätzlich müssen wir kritischen Qualitätsjournalismus fördern. Dieser ist eine wichtige Säule für das Funktionieren unserer Demokratie.

Politik und Verwaltung

Die Bürger Österreichs haben alle 5 Jahre die Möglichkeit, über das politische System zu urteilen. Die Vertrauenswerte in die Politik sind besorgniserregend. Einer OGM Umfrage zufolge geben 87% der Österreicher an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Politik zu haben.

Die Menschen haben auch das Gefühl der Ohnmacht, weil sie nichts verändern können. Viele Menschen sehnen sich daher nach Veränderung.

Neue Möglichkeiten der digitalen Welt würden auch neue Möglichkeiten eröffnen können, um Bürger informiert zu halten und in Entscheidungsprozesse einzubinden. Wenn den Sorgen und Problemen der Menschen Gehör geschenkt wird und sich diese auch verstanden fühlen, dann wird auch das Vertrauen in die Politik wieder steigen.

Wir müssen uns selbst wieder als Teil der des Entscheidungsprozesses verstehen. Bürger müssen ihre Verantwortung wieder wahrnehmen. Dafür ist es aber auch erforderlich, dass die Bürger über verlässliche Informationen verfügen und auch das Gefühl haben, sich tatsächlich wirksam einbringen zu können.

Infrastruktur

Die (öffentliche) Infrastruktur bildet das Rückgrat unserer digitalen Gesellschaft. Sie besteht aus den öffentlichen Netzen (Strom, Internet, Public Cloud Services, …). Wir müssen sicher sein können, dass wir uns auf die Infrastruktur verlassen und ihr vertrauen können. D.h., wir müssen sicher sein können, dass diese Infrastruktur leistungsfähig ist und nicht missbräuchlich verwendet wird. Auch muss diese Infrastruktur vor missbräuchlichen oder sogar illegalen Zugriffen des Staates und seitens Hacker geschützt werden.

 

Digital Society

Die Digital Society ist ein gemeinnütziger Verein, der 2015 gegründet wurde und sich für die positive Nutzung der digitalen Transformation unserer Gesellschaft einsetzt. Unsere Vision ist eine freie digitale Welt, von der alle Mitglieder unserer Gesellschaft profitieren.

Digitalks

Wir laden Dich ein, Dich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Wir bieten hier die Veranstaltungsreihe “Digitalks” an. Digitalks finden monatlich zu aktuellen Themen statt und sind kostenlos zu besuchen.

Datum/Zeit Veranstaltung
05.06.2019
18:00 - 21:00
Digitalk: Medienfinanzierung im Zeitalter der Digitalisierung (7/55)
Digital Society, Wien

mEATups

Meetup ist eine App, mit der man Treffen organisieren kann. Wir haben das Wort Meetup mit eat (also essen) kombiniert. Bei Veranstaltungen zu aktuellen Themen diskutieren wir über Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten. Zu den Diskussionen gibt es Verpflegung und Getränke. Diese Veranstaltungsserie nennen wir daher mEATups:

Datum/Zeit Veranstaltung
24.06.2019
18:00 - 21:00
mEATup (0/25)
Digital Society, Wien

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