Medien

Urheberrecht und digitale Medien sind eng miteinander verknüpft. Sobald Medien in digitaler Form vorliegen ist es sehr einfach sie zu vervielfältigen. Das verändert die Geschäftsmodelle grundlegend – für Musik, Film, Foto, Bücher aber auch Journalismus …

Faire Entlohnung für künstlerische Arbeit

Künstler zu sein ist nicht unbedingt ein leichter Beruf. Wir wollen, wenn wir am Abend heimkommen, einen Film im Fernsehen ansehen und dabei entspannen – oder am Wochenende ins Kino gehen. Wir nutzen die Zeit, die wir im Auto verbringen, um Radio oder MP3 zu hören, oder freuen uns darauf ein gutes Buch zu lesen. Das alles ist nur möglich, weil es Künstler gibt, die gute Musik produzieren; gute Schauspieler, die in Filmen mitspielen; Autoren, die Bücher schreiben; oder Maler oder auch Fotografen, die tolle Bilder machen. Wir verstehen daher, dass Künstler für Ihre Arbeit auch einen fairen Lohn erhalten wollen – wie wir anderen, die diese Werke dann genießen, auch.

Faire Entlohnung für Künstler
Wir (das Publikum) haben Interesse an Kunst. Diese kann nur existieren, wenn Künstler auch eine faire Entlohnung bekommen. In den guten Jahren (vor dem Rückgang der Verkäufe von CD- und DVD-Rohlingen) waren das ca. € 16 Mio. Daher muss es ein Urheberrecht geben, das eine zeitgemäße Lösung für die Rückgänge aus den Eträgen der Leerkassettenvergütung bringt. Die im Juni 2015 beschlossene Festplattenabgabe ist in Zeiten des Internet ein untaugliches und unfaires Mittel.

Publikum

Was wir als Anwender allerdings nicht verstehen, ist, dass man uns in letzter Zeit immer wieder versucht in ein kriminelles Eck zu drängen. Jeder Nutzer ist ein “Raub“-Kopierer. Schon alleine dieses Wort ist falsch – ich habe noch nie einen “Raub“-Kopierer gesehen, der einen Künstler mit einer Waffe bedroht und ihm gewaltsam sein Werk entwendet hätte (das ist es, was Raub bedeutet). Viele Konsumenten, die immer legal Musik und Filme erworben haben, kommen sich ziemlich dumm vor, weil einem immer vorgehalten wird, dass ohnehin alles illegal aus dem Internet gesaugt wird. Manche Konsumenten empfinden die diversen Kampagnen schon als “Publikumsbeschimpfung” und das ist nicht unbedingt zielführend – denn die Künstler brauchen den Konsumenten als ihr Publikum.

Das Ende der Publikumsbeschimpfung
Die Kunst braucht Konsumenten. Derzeit muss sich der Konsument vor allem von den Vertretern der Künstler (den Verwertungsgesellschaften) und den Medienkonzernen vorwerfen lassen, dass er ohnehin alles illegal kopiert und die Konsumenten alle Kriminelle sind. Würden Sie bei jemandem kaufen, der Ihnen vorwirft ein Dieb und Halunke zu sein?

Überwachung

Vor allem aus den USA wird die Forderung laut, das Urheberrecht mit eiserner Faust durchzusetzen. Internet-Provider sollen Hilfssheriff spielen, die Kommunikation ihrer Kunden überwachen und diese bei illegalen Aktivitäten dann “vernadern” müssen. Dieser Eingriff in die Grundrechte ist gravierend und daher vollständig abzulehnen.

Keine Überwachung der Kommunikation der Kunden
Das Recht auf Privatsphäre muss gewahrt werden. Es kann nicht sein, dass eine Vorratsdatenspeicherung und Überwachung der Kommunikation der Kunden eingeführt wird, um das Urheberrecht durchzusetzen.

 

Nachteile für ehrliche Käufer

Zudem hat man als Käufer oft Nachteile. Kopierschutz oder Verschlüsselungstechnologien machen dem Käufer das Leben schwer (Blu-ray kann z.B. nicht auf VGA Bildschirmen wiedergegeben werden). Ein minutenlanger Vorspann erklärt dem Käufer “Raubkopieren ist böse” – ein Raubkopierer sieht diesen Vorspann natürlich nicht mehr, denn er wurde schon lange Zeit vorher entfernt. Bei Streaming-Diensten hat man das Risiko, dass es den Dienst eventuell irgendwann nicht mehr gibt, und man dann auf die Daten nicht mehr zugreifen kann (was wäre z.B. wenn Amazon nicht mehr existiert, mit den Kindle Büchern?). Bei iTunes bezahlt man beim Erwerb des Musikstücks auch bereits die Privatkopie. Man darf die erworbenen Musikstücke damit auf allen seinen Geräten benutzen und abspielen. Durch die Speichermedienabgabe hat der Konsument das Gefühl doppelt abkassiert zu werden.

Keine Nachteile für ehrliche Käufer
Als Kunde erwarte ich wertgeschätzt und auch belohnt zu werden – nicht mit unsinnigen Limitierungen bestraft und benachteiligt zu werden.

Veränderungen in der Medienlandschaft

Durch die “Revolution” am Mediensektor werden viele Inhalte nicht mehr physisch produziert (als Schallplatte, CD, DVD, Buch). Das erspart Produktionskosten und auch eine Menge Logistik – weniger bis gar keine Transporte, kein Bedarf an riesigen Lagern und großen Verkaufsflächen. Daher gibt es für viele Künstler auch nicht mehr die Notwendigkeit Leib und Seele an große Medienkonzerne zu verkaufen. Die Medienkonzerne (die sogenannten Rechteinhaber) haben lange Zeit genau diese Aufgabe übernommen. Sie haben Medien produziert, für die Verteilung und Vertrieb gesorgt. Diese Rolle übernehmen nun andere Firmen – wie z.B. Amazon (für Bücher) oder Apple (für Musik). Jene Medienkonzerne, welche die Zeichen der Zeit verschlafen haben, versuchen nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln alte und obsolete Geschäftsmodelle zu behüten. Über Lobbying bei Gesetzgebern versucht man eine Verschärfung des Urheberrechts durchzusetzen. Man versucht Internet-Provider dazu zu zwingen, ihre eigenen Kunden auszuspionieren und zu überwachen. Es gibt auch vielfache Versuche das in Österreich herrschende Recht auf Privatkopie abzuschaffen und Urheberrechtsverletzungen als strafrechtliche Delikte (derzeit ein privatrechtliches Delikt) zu verankern. Das Urheberrecht darf nicht dazu dienen überholte Geschäftsmodelle zu retten.

Attraktive Geschäftsmodelle
Kunden wird es derzeit oft vermiest legal einzukaufen. Unsinniger Gebietsschutz verhindert z.B. aktuelle Fernsehserien zu sehen. Medienkonzerne sind aufgefordert aktuelle Entwicklungen aktiv zu gestalten, statt vorgestrige Methoden einzuzementieren.

Festplattenabgabe / Speichermedienabgabe

Da sind dann noch die Verwertungsgesellschaften. Da in Österreich und anderen Staaten im Urheberrecht das Recht auf Privatkopie verankert ist, wurden die Verwertungsgesellschaften wie Literar-Mechana, Austro Mechana, AKM, VG-Rundfunk, etc. per Gesetz ermächtigt selbst Steuern einzuheben – und zwar auf Leermedien. Da früher fast ausschließlich Kassetten als Leermedien eingesetzt wurden, nennt sich diese Abgabe auch Leerkassettenvergütung. Diese Leerkassettenvergütung ersetzt den Verdienstentgang, der Künstlern durch das private Kopieren von Werken (z.B. Aufnahme aus Fernsehen oder Radio oder Kopie von Medien) entsteht. Da in der heutigen Zeit immer weniger Leermedien zur Anwendung kommen, versucht man den Entgang der Einnahmen durch kreative Steuern auf andere Datenspeicher zu kompensieren. Mittlerweile werden Abgaben auf Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks und auch auf ganze Geräte wie Drucker, PC, Handy, usw. eingehoben. Leerkassetten wurden fast ausschließlich zur Speicherung von Musik oder Videos verwendet. Heute kann es aber auch sein, dass auf Speichermedien überhaupt keine urheberrechtlich geschützten Werke gespeichert werden (z.B. geschäftlich genutztes Notebook, Speicherkarte für den eigenen Fotoapparat). Trotzdem sind diese Medien über die Leerkassettenvergütung abgabepflichtig. Daher wurden diese Abgaben wiederholt von österreichischen Gerichten als unzulässig erklärt. Amazon versendet z.B. keine strittigen Leermedien oder Geräte mehr nach Österreich um nicht in Gefahr zu kommen, diese Abgabe abführen zu müssen. Um diesen Missstand zu beheben, wurde im Juni 2015 ein neues Urheberrecht zur Begutachtung vorgelegt und binnen 10 Tagen beschlossen wird. In Österreich steht die Speichermedienabgabe damit im Gesetz.

Wir sehen die Pauschalabgabe als legitime Abgeltung für die Privatkopie in Österreich. Wir wollen daher die Leerkassettenvergütung reformieren, aber die im Urheberrecht vorgesehene Abgabe auf Festplatten und andere Speichermedien ist das untauglichste aller Mittel dafür.

Pauschalabgabe statt Festplattenabgabe
Das Recht auf Privatkopie ist eine gute Sache. Allerdings ist es mittlerweile fast wertlos. Die Urheberrechtsabgabe zieht nur bei Kopien aus einer legalen Quelle und diese gibt es so gut wie nicht mehr. Die Kids die am Schulhof Hitparade tauschen, sind wieder in der Illegalität (nicht dass es sie stören würde) und der Gesetzgeber tut nichts dagegen. Eine neue Pauschalabgabe müsste mit der Legalisierung von MP3 Tauschbörsen einhergehen.

Die Speichermedienabgabe ist leicht zu umgehen und schadet dem Wirtschaftsstandort Österreich. Der Konsument kann leicht entscheiden seine Speichermedien in Zukunft im Ausland zu kaufen. Bei Amazon konnte man den Kauf im Ausland “in den Griff” bekommen (Amazon verschickt ja seit Jahren keine Speichermedien nach Österreich, um dem Streit über die Festplattenabgabe aus dem Weg zu gehen). Bei tausenden Online-Shops (siehe geizhals.at) werden sich die Verwertungsgesellschaften aber schwer tun, die Abgabe durchzusetzen.

Weg mit der Speichermedienabgabe
Die Speichermedienabgabe ist willkürlich (hat nichts mit der tatsächlichen Anzahl an Privatkopien zu tun), schädigt den Wirtschaftsstandort Österreich (wer wird freiwillig 20% des Gerätepreises zahlen, damit er in Österreich kaufen darf) und leicht zu umgehen (Online-Shops gibt es im Internet zuhauf).
Wir fordern daher: Weg mit der Speichermedienabgabe!

Journalismus

Der Journalismus ist ebenfalls stark unter Druck. Die Einnahmequellen von Zeitungen von gestern fallen in vielen Bereichen weg. Kleinanzeigen wurden z.B. durch Willhaben oder Ebay ersetzt. Statt Kontaktanzeigen sucht man heute über z.B. Tinder nach einem Partner. Großformatige Anzeigen wurden vor allem durch Facebook oder Google ersetzt.

Im gleichen Zeitraum wurde aber auch die Medienförderung in Österreich halbiert. Dafür sind die Ausgaben für Inserate der öffentlichen Hand in Österreich stark gestiegen. Da Zeitungen stark von diesen Inseraten abhängig sind, müssen sie auch darauf achten, dass sie öffentliche Gelder für diese Inserate bekommen. Die Medien werden dadurch käuflich.

Weiterführende Informationen

ISPA Broschüre Urheberrecht
Safer Internet: Urheberrecht
Help.gv.at: Urheberrecht im Internet
WKO: Copyright im Internet

Diskussionsgruppe

Hier geht es zu unserer Gruppe Urheberrecht. Trage Dich ein und diskutiere mit. Bringe Ideen ein und hilf uns unsere Ziele durchzusetzen.

Artikel zum Thema

  • eu-copyright-jpg

Status EU Urheberrecht

So wie die erste Runde im Urheberrecht überraschend (und knapp) gegen die Upload-Filter und […]