• Creator
    Topic
  • #20960

    Erich Pekar
    Teilnehmer

    https://derstandard.at/2000095094662/Wie-sich-Microsoft-vor-einem-Jahrzehnt-das-Jahr-2019-vorstellte

    Damalige Vision war äußerst optimistisch, hat mit der aktuellen Realität aber wenig zu tun

    Science-Fiction geht oft mit einer recht optimistischen Prognose der technischen Weiterentwicklung einher. So war man etwa schon Mitte des letzten Jahrhunderts davon überzeugt, dass das 21. Jahrhundert von fliegenden Autos geprägt sein wird. Die Realität ist von dieser Vision freilich noch weit entfernt. Doch wie falsch selbst führende Technologiekonzerne mit ihren Prognosen liegen können, hat nun ein Reddit-User ausgegraben.

    Selbst Technologien wie das Smartphone, die in den vergangenen Jahren massive Fortschritte gemacht haben, sind von der Microsoft-Vision noch weit entfernt. Träumte der Windows-Hersteller damals doch von superdünnen, komplett randlosen Scheiben im Scheckkartenformat, die sich miteinander zu größeren Displays kombinieren lassen. Etwas das alleine schon aufgrund mangelnder Fortschritte bei Akkutechnologien auf absehbare Zeit unmöglich erscheint.

    Einen Vorteil hat all dies aber zumindestens: Microsoft könnte das betreffende Video einfach noch einmal veröffentlichen und die Jahreszahl auf 2029 verändern.

    Vermutlich erleben wir gerade die Fehleinschätzung der Elektromobilität (insbesonders auch mit autonom fahrenden Fahrzeugen) und von Transportdrohnen als (zukünftige) Hypes , die als Hype in 10 Jahren vielleicht schon wieder ihre Bedeutung verloren haben werden, auch wenn sie in bestimmten Nischen-Bereichen  – jedenfalls aber nicht als Massenanwendung (durch/für “jedermann”)-  durchaus dann ihren festen Platz haben werden.
    Um einen  vorübergehenden Hype (bzw. eine – technische – “Modeerscheinung”) auch zum Masseneinsatz (z.B. wie heutige Kraftfahrzeuge, öffentliche Verkehrsmittel oder Smartphones) weiterentwicklen zu können, müssen stets eine ganzez Reihe von Fragen erst durchwegs positiv beantwortet werden. Erst wenn alle diese Fragen auf Dauer (nicht nur vorübergehend) positiv beantwortet werden können, ist die Voraussetztung dafür gegeben, dass aus einem vorübergehenden Hype eine dauerhafte Massenanwendung werden kann; Das scheinen fast alle politisch verantwortlichen Entscheidungsträger aber auch viele Techniker , die vielleicht gewohnt sind, einen eher einseitigen Blick auf nur einzelne  technische Probleme zu richten, vollkommen zu “vergessen”.
    Im Zeitalter der Klimakatastrophe kommen nun für den wirtschaftlich erfolgreichen Einsatz neuer Technologien tatsächlich erschwerende neue Randbedingungen – wie z.B. möglichste keine Umwelt-Belastungen (z.B. CO2 und andere Treibhausgasse, nur geringster Energievebrauch) während des gesamten Produktzyklus  aller Instanzen einer neuen bzw. weiterentwickelten Techologie – hinzu.
    Und im Sinne einer logischen “Und”-Verknüpfung müssen alle Fragen zu möglichen ( und “unmöglichen”)  Problemen gleichzeitig (und auch über lange Zeiträume) positiv beantwortet werden können.
    Im Falle von autonom fahrenden Fahrzeugen wären das z.B. auch die Fragen  nach der Verkehrsicherheit solcher Fahrzeuge und die Frage nach der benötigten Energie. Im Bereich der Verkehrsicherheit könnte z.B. weiter unterteilt werden nach den Fragen “kann das Fahrzeug bei allen Wetterbedingungen seinen Fahrspur einhalten ?”, “kann das Fahrzeug vor stehenden Hindernissen sicher stehen bleiben” und “kann das Fahrzeug passive Verkehrszeichen rein optisch immer zuverlässig erkennen ?”.
    Ein Fahrzeug, dass nur unter bestimmten Bedingungen – aber nicht immer – seine Fahrspur einhält, und das nur “manchmal” rechtzeitig vor stehenden Hindernissen anhalten kann, werde vermutlich nicht nur ich als nicht geeignet für den öffentlichen Straßenverkehr einstufen.
    Wenn man die Berichte des letzten Jahres über autonome Fahrzeuge verfolgt hat, dann müsste meiner Meinung nach jede dieser Fragen mit “Nein” beantwortet werden.
    Ähnliches gilt auch für die Frage nach der erforderlichen  elektrischen Energie:
    Alle derzeitigen Gesamt-Energiestatistiken und Erfolge alternativer Produktionstechnologien für elektrische Energie zeigen deutlich, dass die millionenfache Verwendung von Elektrofahrzeugen (unabhängig davon, ob diese nun autonom fahren werden oder auch nicht) allein schon wegen der dafür nicht (rechtzeitig) bereitstellbaren Mengen an elektrischer Energie aus erneuerbaren Energieträgern nicht möglich sein wird.
    Derzeit scheint für die ca 20.000 Elektrofahrzeuge (in Österreich) noch ausreichend Energie aus den öffentlichen Stromversorgungsnetzen geladen werden zu können; Wenn wir allerdings in die Nähe der ersten Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen kommen werden, dann werden wohl die ersten Engpässe auftreten, und es wird nicht mehr jedes Fahrzeug dann geladen werden können, wenn der Fahrer die Notwendigkeit dazu sieht, sondern nur mehr dann geladen werden dürfen, wenn die öffentlichen Netze je nach Wetterlage und Wasserstand auch die dafür benötigte Energie liefern können.
    Ich will hier gar nicht darüber streiten, ob nun meine Ansichten (über die derzeit korrekte Antwort auf solche Fragen) hier oben tatsächlich “richtig” sind, sonderen viel mehr auf den Umstand hinweisen, dass bereits ein einziges derzeit nicht lösbares Problem – und damit eine einzige negative Antwort auf eine Frage aus einem solchen Fragenkatalog – auschlaggebend sein kann, ob eine zunächst als  “nachhaltig betreibar” erscheinende neue Technologie – trotz aller Erwartungen und bereits getätigter Investitionen –  nur ein vorübergehender Hype bleiben wird, wenn das Ziel “Dekarboniserung unserer Energiesysteme” als wirksamste Maßnahme zum Klimaschutz tatsächlich weiterhin ernst genommen werden sollte .

You must be logged in to reply to this topic.