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    Erich Pekar
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    https://derstandard.at/2000095719957/Telekombehoerde-kritisiertMobilfunkplaene-der-Regierung

    Statt eines flächendeckenden Ausbaus des neuen Funkstandards 5G empfiehlt die RTR die gezielte Versorgung von Ballungszentren

    5G hat es der Regierung angetan. Mit der kommenden Mobilfunktechnologie sollen auch die entlegensten Winkel Österreichs mit schnellem Internet versorgt werden. Ein Vorhaben, von dem die Telekombehörde RTR wenig hält. Ungewöhnlich offen nimmt sie zu den Plänen der Regierung, das Land bis 2025 mit 5G-Netzen flächendeckend überziehen zu lassen, Stellung. In einem Papier heißt es dazu, dass dies weder “sinnvoll noch finanzierbar” sei. Als Grund wird die Topografie der Alpenrepublik genannt. Statt der Berggipfel und Seitentäler sollten besser die Ballungsräume versorgt werden.
    Konkret sollen “90 bis 95 Prozent des Dauersiedlungsraums aller Städte und Gemeinden” mit einer Mindestgeschwindigkeit von 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) angebunden werden. Eine Bandbreite, von der die meisten Internetnutzer derzeit nur träumen können. Sie müssen derzeit mit 20 Mbit/s vorliebnehmen, mancherorts lassen die Leitungen sogar nur mickrige zwei Mbit/s durch. Lediglich in Wien und anderen Städten sind Bandbreiten von mehreren Hundert Mbit/s möglich.

    Zweifel gibt es auch an dem Versprechen der Regierung, dass schon im kommenden Jahr nahezu jeder Haushalt mindestens 100 Mbit/s nutzen kann. Dafür wurden in den letzten Jahren Mittel aus der Breitbandmilliarde lockergemacht. Doch das Ziel der Förderung zum Netzausbau konnte man so “bei weitem” noch nicht erreichen, wie der Rechnungshof in seinem letzten Bericht festhält. Doch ohne diesen Netzausbau sind weder 100Mbit/s noch 5G-Geschwindigkeiten möglich.

    Im Gegensatz zu Glasfaserleitungen müssen sich Mobilfunkkunden ihren Zugang zum Netz allerdings mit anderen Nutzern teilen, was sich bremsend auswirkt. Daher sind oft kaum Geschwindigkeiten von mehr als 20 Mbit/s möglich.

    5G-Netze versprechen bis zu zehnfach höhere Datengeschwindigkeiten als 4G-Netze (LTE), theoretisch sind sogar bis zu zehn Gigabit pro Sekunde möglich. Auch die Reaktionszeit wird sich auf ein Hundertstel eines Wimpernschlags – also eine Millisekunde (ms) – verkürzen.

    Der Datenverbrauch ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Ein Grund dafür ist die zunehmende Nachfrage nach Videostreaming. RTR-Chef Johannes Gungl sieht die Mobilfunker daher dazu verdammt, möglichst schnell 5G einzuführen.

    dazu einige Meinungen aus dem Forum im derstandard.at :

    “Ein Grund dafür ist die zunehmende Nachfrage nach Videostreaming.”
    Das heißt, es werden Unsummen, auch sehr viele öffentliche Gelder (Breitbandmilliarde) investiert, damit Menschen unterwegs Videos schauen können.
    Und die, welche tatsächlich ein schnelles Internet brauchen (beruflich), werden genauso ausgebremst wie bisher.
    Unpackbare Entwicklung!

    oder

    und das Traurige daran ist, dass alle Videoservices ihre Wertschätzung im Ausland haben (Netflix, Amazon, Spotify usw.). Und die A1 ist ja auch nicht gerade ein zum größten Teil österreichisches Unternehmen (= Mexiko). Warum also soll der österr. Steuerzahler das alles finanzieren ??

    oder

    Im freien Wettbewerb können die Provider gar nicht anders als die Ballungszentren zu bevorzugen, weil dort nunmal die meisten potentiellen Kunden sind.
    Ich bin ja kein Freund von Regulierung und staatlichem Einfluss. Wenn High-Speed-Internet aber wirklich so essentiell (und somit öffentliches Gut?) ist wie geschrieben, dann frage ich mich, ob es wirklich Sinn macht, wenn von mehreren Anbietern parallel Datenautobahnen gebaut werden, während der ländliche Raum mit “Güterwegen” quasi unerschlossen bleibt.

    oder

    diese Bandbreiten?
    Man muss sich schon fragen, wofür diese Bandbreiten denn wirtschaftlich/gesellschaftlich unbedingt notwendig sind. Auch das Dorfwirtshaus in Afiesel wird seinen weberver nicht inhouse stehen haben, geschweige an der Grenze der Zugriffszahlen sein.Auch mit wesentlich geringeren Bandbreiten kann man am geschäftlichen und gesellschaftlichen digitalem Leben ausreichend teilnehmen.

    Klar jeder von uns hätte gerne eine Autobahn vor der Haustür (natürlich mindestens 2 km entfernt, dass die Einfamilenhausidylle nicht verschandelt wird. Klarerweise kommst auch auf der B17 zum Brotjob nach Wien.

    oder

    Vielleicht sollte man das Lizenzvergabeverfahren überdenken. Wenn diese wieder unter den Mobilfunkbetreibern versteigert werden und jeder dann sein eigenes Netz aufzubauen hat, wird sich wohl kein einziger Provider ein flächendeckendes 5G-Netz leisten können bzw. wären die Kosten dafür exorbitant.

    Im Strategiepapier ist zwar die Rede von einem “nationalen Schulterschluss” – wie der aber ausschaun soll, dazu gibt es keine weiteren Details. Nochmal: 3 separate, flächendeckende 5G Netze wären mmn. nicht wirtschaftlich aufzubauen/betreiben.

     

    Und in Ballungsräumen sollte es auch keiner öffentlichen Förderung bedürfen, da dort ja jeder Netzbetreiber genügend zahlungskräftige Kunden finden sollte, um die dort getätigten Netzinvestitionen auch wieder zurück-verdienen zu könnnen.
    Wenn die Netzbetreiber aber befürchten sollten, diese zahlungskräftigen Kunden in ausreichender Anzahl in Ballungsgebieten nicht finden zu können – und daher auch dort auf öffentlichen Förderungen für den 5G- Ausbau bestehen solten, dann müsste die 5G-Mobilfunktechnologie zum derzeitigen Zeitpunkt  mangels Nachfrage als “überflüssig” angesehen werden und von der Technologie-Roadmap  zumindest vorübergehend gestrichen werden.
    Es scheint also möglicherweise derzeit für 5G-Mobilfunk gar keine wirtchaftlich tragfähigen Geschäftsmodelle zu geben und auch das Argument der “Standortsicherung” (bestehender oder neuer Unternehmen) dürfte nicht zutreffend sein, da Videostreaming für Unternehmen mit gutem Arbeitsplatzangebot in Österreich keine wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder bietet.
    Bestätigt wird diese Vermutung noch durch die eindeutig falsche Behauptung, dass kürzeste Latenzzeiten (ping-Antwortzeiten) in Zukunft so besonders wichtig wären und nur durch 5G-Mobilfunk in die Größenordnung von wenigen Millisekunden zu drücken wären.
    Die Antwortzeit eines (IT-) Systems bleibt immer noch in erster Linie abhängig von der Entfernung zwischen Client und Server und der Kompklexität der auf dem Server erforderlichen Programme zu Ermittlung der “richtigen” Antwort.
    Und auch mit 5G- Mobilfunktechnologie erreicht ein einzelnes Bit nicht Lichtgeschwindigkeit.

    Wenn die Betreiber von Mobilfunknetzen auf Dauer zahlungskräftige Unternehmenskunden halten wollen, dann müssten sie selber größtes Interesse daran haben, den (Daten-) Umfang reiner Unterhaltungsangebote wirksam ( z.B. auch durch begrenzt bleibende Bildauflösungen, oder “Ausgliederung” in eigenen physiche Unterhaltungsnetze ) zu begrenzen – um nicht jeden “Bitratengewinn” neuer Funktechnologien sofort wieder an die Unterhaltungsindustrie zu verlieren.

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