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    Erich Pekar
    Teilnehmer

    https://derstandard.at/2000094929489/Fassmann-In-Wirklichkeit-spielt-sich-nicht-viel-im-Internet-ab

    Die Geografie politischer Räume: Heinz Faßmann, selbst Geograf, über ortlose Digitalphantasien und vergessene Peripherien

    Es tut sich etwas in der Peripherie. Populisten finden vor allem in den von den politischen Machtzentren entfernten Regionen Zuspruch.

    Zeit für ein Gespräch über die Geografie politischer Räume und die räumlich-regionale Dimension von Politik. Es trifft sich gut, dass im Wissenschaftsministerium mit Heinz Faßmann ein Uniprofessor für angewandte Geografie, Raumforschung und Raumordnung sitzt.

    Faßmann:
    Es gibt eine Korrelation zwischen Modernisierungsverlierern, die Angst vor sozialem Statusverlust haben, und dem Zuspruch zu populistischen Parteien und Antworten. Das wird durch einen Zentrum-Peripherie-Gegensatz verstärkt, denn in der Peripherie ist der Anteil derer, die um ihre Statusposition bangen, viel höher. Die geografische Peripherie ist in gewissem Sinne auch eine ökonomische.

    Am Beginn eines Innovationszyklus werden immer die Zentren bevorzugt, weil dort Innovationen stattfinden. Damit ist auch eine gewisse ökonomische Performance verbunden. Wenn sich Innovationen verbreiten, kann auch die Peripherie partizipieren. Aber immer mit Zeitverschiebung. Wenn eine Innovation die Peripherie erreicht, gibt es im Zentrum vielleicht schon die nächste. Das Bild des Global Village war letztlich eine ungeografische Beschreibung. Es unterschätzte das Menschliche, die Face-to-Face-Kontakte, und überschätzte das Technologische. Man glaubte, alle Orte sind dann gleich, gleich erreichbar durch das Internet. In Wirklichkeit spielt sich nicht viel im Internet ab, sondern in der persönlichen Begegnung.

    Manchmal glaubt man, die Gesellschaft sei homogen, und alles sei in einem quasi dimensionslosen Raum. In Wirklichkeit haben wir erhebliche Gegensätze zwischen dem Zentrum und der Peripherie, zwischen Städten und dem ländlichen Raum, der sich abermals differenziert gestaltet. Dem muss man mit politischen Strategien Rechnung tragen. Wenn die Politik nur die Städte erreicht, dann erreicht sie in Österreich je nach Zählweise 50, 55, vielleicht 60 Prozent der Bevölkerung. Es gibt aber einen soliden ländlichen Raum, der ganz anders denkt.

    STANDARD: Das sehen wir gerade in Frankreich.
    Dort sagte eine Gelbwesten-Aktivistin: “Die Eliten machen sich Sorgen um das Ende der Welt, wir um das Ende des Monats.”
    Für sie ist der Verzicht auf Mobilität eine existenzielle Frage, während er für die “Globalisten” vielleicht nur einen Flug weniger nach Hawaii bedeutet. Das zeigt doch, dass bestimmte Maßnahmen ganz unterschiedliche Effekte haben, je nachdem, ob man “im Nabel” oder “am Ende der Welt” lebt.

    Faßmann: Ja, ich glaube, das Problem jener, die Politik machen, ist, dass sie sich innerhalb einer sozialen Gruppe bewegen, nämlich der, die Politik betreibt und durchsetzt. Sie werden vielleicht noch begleitet von Medien, aber sie bilden einen eigenen Mikrokosmos. Und ich sehe das Zuhörenkönnen, das Sich-nicht-abhängen-Lassen von der Mehrheit der Bevölkerung und deren Sorgen und Ängsten schon als immanentes Problem der politischen Kommunikation.

    dazu ein Kommentar aus dem Forum im derstandard.at:

    Wenn man die Ausführungen und Positionen des Herrn Fassmann hier liest, fragt man sich, wie sich der Herr in diese Regierung verirren konnte?

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