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    Erich Pekar
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    http://derstandard.at/2000064369802/Demokratie-braucht-Achtung-und-Wertschaetzung
    Kommentar der Anderen : Franz-Joseph Huainigg ( scheidender Behindertensprecher der ÖVP, selbst schwerstbehindert)

    Wie wäre es, wenn wir einmal den Mut aufbrächten und den politischen Gegner über die Parteigrenzen hinweg auch einmal loben würden? Eine Abschiedsrede nach 15 Jahren im österreichischen Nationalrat

    Ich bin Abschiede gewohnt. Als mich 2002 Bundeskanzler Schüssel als unabhängigen Quereinsteiger ins Parlament holte, konnte ich noch selbst schreiben, meinen Elektrorollstuhl bedienen und selbstständig atmen. Heute kann ich das nicht mehr, manche sagen, ich hätte meine Funktion als Behindertensprecher gar zu ernst genommen.

    Durch meine Lebensrealität im Parlament ist es gelungen, die persönliche Assistenz am Arbeitsplatz zu schaffen. Die neue Regelung im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz ermöglicht es, dass Behindertenbetreuer und persönliche Assistenten Pflegetätigkeiten durchführen dürfen. Das gefiel manchen gar nicht.

    Heute ist es möglich, notwendige Pflegetätigkeiten ganz selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. Ich zum Beispiel kann zu Hause mit meiner Familie leben und muss nicht in ein “Alters”-Heim, wo immer wieder junge, pflegebedürftige Menschen mit Behinderungen landen.

    Es braucht im Parlament Menschen, die selbst betroffen sind und gelernt haben, reflektiert mit der persönlichen Situation umzugehen. Daher: nichts über uns ohne uns.

    Dazu gehört die unantastbare Menschenwürde, die jedem und jeder zuteil ist und nicht gegeneinander aufgewogen werden kann.

    Aber meine Erfahrung ist, dass man behinderten Menschen oft gar keine Leistung zutraut. Das ist die andere Seite, und die ist nicht fair, weil dies dazu führt, dass ein Mensch ob seiner Behinderung nicht ernst genommen wird. Ich bin daher für den klaren Blick auf Leistung, aber dass jeder und jede im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefordert, gefördert und anerkannt wird. Und das muss schon in der Schule durch einen gemeinsamen Unterricht mit individualisierten Lehrplänen beginnen.

    “… die unantastbare Menschenwürde, die jedem und jeder zuteil ist und nicht gegeneinander aufgewogen werden kann. …” und auch nicht teilbar ist.
    Entweder achten wir die Würde eines Menschen, oder achten sie nicht – ein “bisschen” Menschenwürde gibt es nicht.
    Und es gibt auch keine bedingte  (oder “anteilige” Menschenwürde) die vielleicht abhängig gemacht wird von der finanziellen Leistungsfähigkeit, dem Geburtsort, dem Familiennamen (….)  oder der noch zu erwartenden Lebensdauer eines Menschen.

    Gerade auch in der Digitalen Welt habe ich den Eindruck, dass wir uns immer öfter in den Bereich der nur unter bestimmten Bedingungen “gewährten” Menschenwürde  begeben, und die ungeteilte – unbedingte –  Menschenwürde dort oft nur mehr für jene Menschen “geduldet” wird, die nicht in irgendeiner weise körperlich und/oder psychisch behindert ( bzw. “anders”) sind und/oder mit nur sehr beschränkten finanziellen Mitteln auskommen müssen.

     

     

Replies
  • Erich Pekar
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    #20525 |

    Experte: “Demokratie ist durch Social Media hochgradig gefährdet”
    https://derstandard.at/2000091830710-628/Experte-Demokratie-ist-durch-Social-Media-hochgradig-gefaehrdet

    Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, warnt vor Risiken algorithmischer Systeme

    KI wird zukünftig einen immensen Einfluss auf alle Lebensbereiche ausüben. Während diese Veränderungen am Arbeitsmarkt deutlich merkbar sein werden, kommen sie in anderen Bereichen auf leisen Sohlen daher. Selbst wenn wir die Zahl der Arbeitsplätze halten oder sogar erhöhen können, wird es vermutlich bei vielen nicht zu einem Zuwachs in der Entlohnung von Arbeit kommen. Einer kleinen Gruppe an kreativen, hochbezahlten Jobs wird künftig ein Heer an einfachen Funktionsdienstleistern gegenüberstehen.

    Im Bereich von Social Media wird unser Verhalten 24 Stunden sieben Tage die Woche lang aufgezeichnet. Indem wir Firmen diese Dauerüberwachung zubilligen, wissen sie oft besser über uns Bescheid als wir selbst, erkennen unsere Verhaltensmuster und können uns in unseren Entscheidungen lenken. Das sind grundstürzende Veränderungen. Die Frage ist aber nicht, ob wir uns dieser Entwicklung radikal entgegenstellen, sondern, wie wir uns mit diesen Bedingungen, die wir selbst auch gestalten können, arrangieren.

    Ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten kann nicht an einer Zustimmung per Häkchen festgemacht werden, sondern muss die Weitergabe von Daten in Echtzeit nachvollziehbar machen. Das kann mit geeigneter Software passieren, indem sich ein “Datenagent” an meine Daten dranhängt. Dieser gibt dann die Information an einen von mir betrauten Datentreuhänder weiter, der mich nur dann informiert, wenn eine Datennutzung passiert, die mir missfällt. Auf diese Art und Weise hielten wir eine Kontrollhoheit über unsere Daten – immer dann, wenn es uns wirklich betrifft.

    Die Besonderheit von Social-Media-Content ist es nicht nur, Aufmerksamkeit zu bekommen – das ist ja schon immer das Kerngeschäft des Journalismus -, sondern emotionalisierte Aufmerksamkeit zu generieren. Via Emotionen sollen die Menschen möglichst lange auf der Plattform gehalten werden. Das entspricht dem dahinterstehenden Geschäftsmodell. Die dabei produzierten Daten werden genutzt, um das Werbefinanzierungsmodell am Laufen zu halten. Emotionen werden nicht nur durch Katzenvideos und Kinderfotos, sondern es wird auch die Wut ausgelöst.
    Die Emotionalisierung politischer Debatten ist also kein zufälliger Nebeneffekt, sondern Teil der Logik von Social Media.

    Sämtliche Mustererkennungsmethoden haben natürlich schon menschliche Voreinstellungen. Es waren ja Menschen, die die Algorithmen programmiert haben. Wenn wir etwa Maschinen miteinander kommunizieren lassen, kann es passieren, dass die vom Menschen selbst nicht erkannten Voreinstellungen eine Konversation ins Extreme treiben. Nach einer Stunde muss man abschalten, weil die Unterhaltung vollends rassistisch oder sexistisch geworden ist.

    Das Bewusstsein bei vielen Firmen scheint zu wachsen, dass es um Vertrauenswürdigkeit der jeweiligen Produkte geht. Deshalb sprießen derzeit die Codes of Conduct und Selbstverpflichtungen zu ethisch korrektem Handeln aus dem Boden. Die sind meist aber sehr allgemein gehalten. Und der Teufel steckt oft im Detail. Deshalb muss es eine der dringlichsten Forderungen sein, dass nicht nur Mediziner verpflichtende Ethikkurse haben, sondern auch alle Berufsgruppen, die mit der Programmierung von Algorithmen und dem Trainieren von sogenannten autonomen Maschinen betraut sind. Es muss in all diesen Bereichen eine Sensibilität für die Auswirkungen geben, die man mit diesen so klammheimlich daherkommenden Prozessen des maschinellen Lernens voreinstellt.

    Es ist interessant, dass ausgerechnet Wirtschaftsbosse wie Joe Kaeser, Chef von Siemens, oder Elon Musk, Chef von Tesla, ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern. Was bewegt sie? Sind das solidarische Zeichen oder Gesten der Ruhigstellung, um viele vermeintlich nutzlose Menschen wenigstens als Konsumenten noch “benutzen” zu können? Vor dem Hintergrund der mit der Digitalisierung wohl zunehmenden Flexibilisierung von Arbeitsbiografien muss auch die Frage nach sozialer Absicherung neu gestellt werden.

    Also auch hier wieder das allbekannte “Glaubensbekenntnis” zur Sicherung des angeblichen Fortschrittes:

    “Die Frage ist aber nicht, ob wir uns dieser Entwicklung radikal entgegenstellen, sondern, wie wir uns mit diesen Bedingungen, die wir selbst auch gestalten können, arrangieren.”

    Nur um ja nicht den Profit der Konzerne und Unternehmen (als Hersteller bzw. Anwender) zu schmälern soll der Konsument/Endverbraucher/Bürger kein Mitspracherecht bzw. keine Entscheidungsfreiheit mehr haben sich dieser Technologien – entgegen aller “Einlullungsversuche” der Befürworter – doch nicht bedienen zu müssen, ohne damit dann auch wesentliche Erschwerisse zur Deckung/Besorgung seines täglichen  Lebesunterhaltes hinnehmen zu müssen ?
    Und natürlich kann darüber diskutiert werden, was hier unter “radikal” zu verstehen sein könnte. Die freie Entscheidungsmöglichkeit, sich ohne wesentlicher Einschränkungen der eigenen Lebensführung nicht bestimmter Technologien bedienen zu wollen, würde ich hier jedenfalls nicht unter “radikal entgegenstellen” verstehen.

    “Es ist interessant, dass ausgerechnet Wirtschaftsbosse wie Joe Kaeser, Chef von Siemens, oder Elon Musk, Chef von Tesla, ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern. Was bewegt sie?” :

    Als “gelernter” Pessimist gibt’s darauf einen einfache – vielleicht tatsächlich zu einfache – Antwort : Weil  die Leiter dieser Unternehmen dadurch vielleicht die Chance sehen, den Lohn/Gehalt ihrer Mitarbeiter zumindest um die Höhe dieses Grundeinkommens senken und damit dann oft mit wesentlich geringeren Personalkosten als heute rechnen zu können. Denn im Gegensatz zu den strikten Gegnern des bedingungslosen Grundeinkommens dürfte diesen Unternehmensleitern bekannt sein, dass sich viele (fast alle ?) Menschen heute über ihre Arbeit “definieren” und daher auch bei theoretisch gutem bedingungslosem Grundeinkommen trotzden ein Arbeitsverhältnis mit befriedigender Entlohnung anstreben würden.
    Vielleicht verkenne ich hier aber die Ehrlichkeit der Unterstützung des Bebdingunslosen Grundeinkommens durch diese Unternehmensleiter und nehme daher gleich vorsorglich diese “Unterstellung” mit dem Ausdruck meines aufrichtigen Bedauerns zurück.

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