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  • #20043

    Erich Pekar
    Teilnehmer

    https://derstandard.at/2000087462851/Bericht-Roboter-erledigen-bis-2025-Haelfte-aller-Aufgaben

    Trotzdem soll Digitalisierung mehr Jobs schaffen als zerstören. Lebenslanges Lernen wird zur Norm, zeigt eine neuer Bericht

    Jede Revolution kennt Gewinner und Verlierer. Erfolge werden danach bemessen, wie das Größenverhältnis zwischen den beiden Gruppen aussieht.

    Heute steht die Welt vor der vierten industriellen Revolution, getrieben durch künstliche Intelligenz, Big Data und Automatisierung.Zahlreiche Studien versuchen zu berechnen, wie viele Jobs schon heute von Algorithmen und Robotern übernommen werden und wie schnell dies passiert. Allerdings ist es schwieriger abzuschätzen, welche neuen Aufgaben in Zukunft entstehen, als zu erkennen, dass eine monotone Eingabe in ein Excel-Sheet künftig nicht mehr tagesfüllend sein wird.

    In einer neuen, großangelegten Untersuchung befragte das World Economic Forum (WEF) weltweit Führungskräfte von insgesamt 15 Millionen Arbeitnehmern über “die Zukunft von Jobs”. Der gleichnamige Bericht, der dem STANDARD vorab vorliegt, kommt zu einem positiven Schluss: In den kommenden vier Jahren sollen durch die Technologien der vierten industriellen Revolution 133 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Die Kehrseite: 75 Millionen Jobs werden von Maschinen ersetzt.

    Der Bericht des WEF zeigt, dass mehr als die Hälfte der Angestellten von Großunternehmen erhebliche Um- oder Weiterschulungen benötigt. Aber nur ein Drittel der befragten Firmen gab an, solche Schulungen für Nichtschlüsselpositionen anbieten zu wollen.
    Zwei Alternativen schweben den Führungskräften laut Befragung vor: Entweder sie stellen neue Leute ein, die über passende Qualifikationen verfügen, oder sie automatisieren die Stelle komplett. Je nach Branche unterscheidet sich der Ansatz. Transportfirmen erwarten, dass sie künftig keine Fahrer mehr brauchen. Das Management im Pharma- und Gesundheitswesen hingegen plant am häufigsten, ihre bestehende Belegschaft für die digitale Welt vorzubereiten.
    Ein Trend gehe auch Richtung Teilzeitstellen, externe sowie temporäre Mitarbeiter, damit spezialisierte Aufgabenfelder flexibler verteilt werden können.

    Ein bedingungsloses Grundeinkommen sei nicht realistisch, heißt es im Bericht. Aber ein universeller Topf für Fortbildung wäre eine gesellschaftliche Option, die Auswirkungen von Automatisierung abzufedern. Denn Lebenslanges Lernen werde zur Norm.

     

    dazu einige Meinungen aus dem Forum im derstandard.at :

    Steuereinnahmen
    ich kann mir einfach beim besten Willen NICHT vorstellen, dass durch die Robotisierung/Digitalisierung mehr Jobs (außer IT-Spezialisten) geschaffen werden sollen. Deshalb meine ich, dass eine Robotersteuer in Höhe der Lohnsteuer her muss, um Steuereinnahmen auf dem gleichen Niveau zu halten. Außerdem würden sich bei gleicher Abgabenhöhe, die Arbeitgeber ev doch lieber für den Menschen und nicht für den Roboter entscheiden….

    oder

    Mehr Jobs durch Automaten, viele Tätigkeiten durch Maschinen? Dann wird es Zeit über eine Senkung der Wochenarbeitszeit nachzudenken
    Wenn höhere Produktion usw die Folge ist, dann kann man doch endlich daran gehen, die Arbeitszeiten von Menschen zu verkürzen. Bei gleichem Gehalt. Wird sich doch leicht ausgehen.

    Damit – mit der Senkung der Wochenarbeitszeit – wäre die 4 Tage-Woche jedenfalls mit wesentlich weniger Beeinträchtigung der persönlichen Gesundheit und wesentlich geringerer Unfallwahrscheinlichkeit erreichbar, als mit dem derzeit in Österreich beschlossenen 12 Stunden-Tag (verbunden mit nun auch zugelassenen 60 Arbeiststunden pro Woche).

    “In den kommenden vier Jahren sollen durch die Technologien der vierten industriellen Revolution 133 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.”
    Allerdings ist auch bereits bekannt, dass neue/weitere Arbeitsplätze – allein schon zufolge der demografischen Entwicklung – in “großer Zahl” vor allem im Pflege- , Gesundheits-, Bildungs-  und Sozialbereich bereits jetzt fehlen und in Zukunft noch mehr fehlen werden, weil vor allem “innovative” Ideen (bzw. Steuereinnahmen des Staates) – aber auch der politische Wille – zu deren Finanzierung fehlt.
    Diese jetzt schon fehlenden Arbeitsplätze (bzw.das dort fehlende Personal) wurde nicht erst durch Digitalisierung  bzw. Roboter verursacht. Die jetzt schon oft unzureichenden Betreuungsmöglichkeiten werden auch in Zukunft durch die vielleicht noch mögliche Digitalisierung dieser Bereiche für Patienten/Klienten sicher nicht deutlich spürbar verbessert werden können:
    Durch zusätzliche finanzielle Belastung der weiterhin eher beschränkten  Mittel ( IT Geräte-Ausstattung/-Erneuerung, Personalschulung, zusätzliches administrativ/technisches Personal für Bedienung/Wartung der IT-Infrastrukturen), wird sich die Dienstleistungsqualität dieser Bereiche ( Gesundheit, Bildung, Soziales,.. ) – auch wegen politisch unterschiedlicher Gewichtung bzw.Ausgestaltung durch die jeweiligen Regierungsverwantwortlichen – eher verschlechtern.

    Es ist weniger die Frage, wie viele neue Jobs/Arbeitsplätze durch den verstärkten Einsatz von Automatisiserung bzw. Robotern geschaffen werden können; Es stellt sich viel mehr die Frage, wieviele Jobs in Zukunft jemand gleichzeitig ausfüllen muss, um noch seinen täglichen Lebensbedarf (und vielleicht auch noch den Bedarf seiner Familie) finanzieren zu können. Ob dann neben zahlreichen Jobs auch noch Zeit für “lebenslange Weiterbildung” bleiben wird, ist eher nicht zu erwarten. Ein weiteres dieser immer gravierender werdenden (Alltags-)Probleme ist in der immer häufiger geführten Diskussion über leistbares Wohnen zu beobachten. Vielleicht sollten wir viel mehr Brücken statt Wohnungen bauen, um dann unter diesen Brücken mehr regengeschützte Übernachtungsplätze für Obdachlose anbieten zu können. Denn immer mehr Wohnungen sind für immer mehr Arbeitnehmer (und für Arbeitslose bzw. viele “Aussteiger” ohnehin schon immer) nicht mehr leistbar.

    “Aber nur ein Drittel der befragten Firmen gab an, solche Schulungen für Nichtschlüsselpositionen anbieten zu wollen.” :

    Damit ist fast schon sicher, dass die auf den 75 Millionen Arbeitsplätzen heute noch tätigen Arbeitnehmer sicher  arbeitslos werden werden, falls sie nicht die Möglichkeit haben, in Pension gehen zu können. Denn wenn diese Entwicklung tatsächlich so rasch kommen sollte (“in den nächsten 4 Jahren”),  ist nicht zu erwarten, dass für diese “freizustellenden” (= arbeitslos werdenden) Arbeitnehmer sich noch in irgend einer anderen Branche eine ihren köperlichen und geistigen Fähigkeiten adäquate – und ausreichend entlohnte – Tätigkeit finden lassen wird.  Und allfällig noch sinnvoll mögliche Schulungs- Weiterbildungsnmaßnahmen  gibt’s für diesen Kreis der Betroffenen ja nicht, laut Studie weder innerhalb der Betriebe – noch außerhalb der Betriebe; In Österreich schon gar nicht bei 12 – 14 Stunden Zeitaufwand für die täglichge Arbeit – und dies noch regelmäßig auch an bis zu 5 Tagen pro Woche.
    Und die – vielleicht – neugeschaffenen 133 Millionen Jobs werden mit größer Wahrscheinlichkeit nicht erlauben, die 75 Millionen arbeitslos gewordenene Arbeitnehmer wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern – weil sie vermutlich nicht über die köperlich/geistigen Fähigkeiten (vielleicht nur wegen ihres höheren Alters) und höchstwahrscheinlich  auch nicht über die entsprechenden Qualifikationen verfügen.

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  • Erich Pekar
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    #20979 |

    Roboter und Populismus
    Ö1 Digital.Leben Mittwoch 8.1.2019 16:55 Uhr  https://oe1.orf.at/player/20190108/539677

    Oxford-Ökonom Benedikt Frey über sozial verträgliche Automatisierung

    Vor einigen Jahren sorgte eine Studie der Oxford Martin School für viel Aufsehen: Jene Studie, nach der in den USA in den kommenden Jahrzehnten 47 Prozent der Arbeitsplätze durch Digitalisierung und Automatisierung verloren gehen werden. Auch wenn die Studie umstritten ist und andere Untersuchungen zu weniger pessimistischen Ergebnissen kommen, ist der Studienautor und Ökonom Carl Benedikt Frey von der Oxford Martin School seither einer der am häufigsten zitierten Experten, wenn es um die Zukunft der Arbeit geht.
    Frey warnt vor den sozialen Auswirkungen der Digitalisierung und sieht einen Zusammenhang zwischen Automatisierung und dem Aufstieg des Populismus. In einer aktuellen Studie hat er sich die Frage gestellt, ob Donald Trump seinen Wahlsieg auch den Robotern verdankt.
    Mehr dazu von Ulla Ebner.

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