Citizen 4.0

Die digitale Transformation hat auch massive Auswirkungen auf unser Privatleben und die Familie sowie das Zusammenleben. Die technologischen Veränderungen schaffen neue Möglichkeiten aber auch neue Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden können.

Unsere Demokratie scheint nicht mehr richtig zu funktionieren. Fake News ist ein Schlagwort, das wir in letzter Zeit sehr oft hören. Das Vertrauen in unsere Politik, Medien aber und auch in die Unternehmen schwindet. Menschen haben Zukunftsängste und suchen nach Sicherheit und Halt.Was können wir als Bürger tun, um unseren Mitbürgern diesen Halt wieder zu geben?

Digitale Teilhabe

Neue Technologien revolutionieren das private Umfeld und öffnen eine ganz spezielle Kluft zwischen den Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder). Es besteht auch die Gefahr, dass bestimmte Gruppen von der Teilnahme an unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden, weil ihnen die Kompetenzen fehlen, oder Technologien neue Barrieren schaffen. Beispiele sind hier z.B. Telebanking für die ältere Generation oder auch nicht barrierefreie Automaten für z.B. sehbehinderte oder blinde Menschen. Im Bereich von Active and Assisted Living wiederum schaffen Technologien Möglichkeiten für Menschen länger selbstbestimmt zu leben.

Es ist wichtig, dass wir uns die neuen Technologien für unseren Vorteil nutzen. Wir müssen aber auch Menschen helfen mit diesen Technologien zurecht zu kommen. Außerdem ist es wichtig darauf zu achten, welche neuen Barrieren wir schaffen, und ob wir bestimmte Gruppen an der Teilnahme der Gesellschaft hindern.

Bildung

Die Grundzüge unseres Bildungssystems stammen von Alexander von Humboldt der von 1769-1859 gelebt hat. Von ihm stammt das dreistufige Schulsystem, das bis Heute die Basis der Ausbildung unserer Kinder ist. Ziel dieses Schulsystems war es Fabrikarbeiter zu schaffen. Die Menschen standen damals vor einer ebenso großen Herausforderung wie heute. Durch die industrielle Revolution verloren viele Menschen ihren Beruf als Landarbeiter und wurden durch Traktoren und Maschinen ersetzt. Gleichzeitig entstanden neue Beschäftigungen als Fabrikarbeiter in den Städten.  Das Schulsystem versuchte also den Kindern in den Volks- und Hauptschulen das Wissen beizubringen um brave und gute Fabrikarbeiter zu sein. Die Gymnasien dienten dazu wenige kaufmännische Angestellte heranzubilden und die Hochschulen noch weniger Ärzte und Rechtsanwälte. Diese Ziele erreicht das Schulsystem bis heute hervorragend, nur dass wir keine braven Fabrikarbeiter mehr benötigen, sondern kreative, teamfähige, eigenverantwortliche Mitglieder unserer Gesellschaft.

Die Fragestellung ist also, wie wir unser Bildungssystem verändern können, so dass es die Fähigkeiten fördert, die unsere Gesellschaft heute benötigt.

Informationen und Medien

Fake News ist ein Schlagwort, dass man in letzter Zeit allzu oft hört. Zur Recht oder auch manchmal zu Unrecht. Früher gab es wenige Medien über die Bürger Informationen erhalten haben. Zeitungen stellten Journalisten an, die aktuelle Vorkommnisse berichteten und darüber objektiv informieren sollten. Unabhängig sollten sie sein, diese Medien um objektiv und ohne Beeinflussung berichten zu können. Die Finanzierung erfolgt über den Verkauf dieser Inhalte, über Werbung (hier wurde darauf geachtet, dass es innerhalb der Medien eine undurchlässige Wand zwischen Werbevertrieb und Redaktion gab) sowie über staatliche Medienförderung.

Heute ist jeder ein Journalist und kann über vor allem soziale Medien seine Informationen an eine große Zielgruppe verbreiten. Dadurch ergeben sich zwei Effekte:

  1. Jedermann ist Journalist
    Eine Vielzahl von Bloggern, Videobloggern produzieren Artikel und Videos. Dadurch ist die Erstellung von Inhalten die einem breiten Publikum zugänglich sind, nicht mehr den Ethikregeln der Journalisten unterworfen. Eine Qualitätskontrolle durch die Chefredaktion gibt es nicht mehr.
  2. Qualitätsjournalismus wird die Finanzierung entzogen
    Medien nehmen immer weniger über Werbung ein. Dadurch wird der Finanzierung der Journalisten das Geld entzogen. Es gibt eine dramatische Verschiebung der Werbeeinnahmen hin zu sozialen Medien und Online. Diese produzieren aber selbst keine Inhalte, sondern dienen nur als Plattform zur Verbreitung von Inhalten.

Diese Veränderungen führen dazu, dass Konsumenten von Information verstärkt überprüfen müssen, wie glaubwürdig Informationen sind. Man kann nicht einfach mehr darauf vertrauen, dass das was man liest auch wahr ist. Durch diesen Effekt sinkt naturgemäß auch das Vertrauen in etablierte Medien.

Zusätzlich nimmt die Anzahl kritischer Journalisten ab, denn die Medien können diese aus ihren schwindenden Einnahmen nicht mehr finanzieren. Eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks würde diese Entwicklung nur noch beschleunigen.

Wir müssen als Gesellschaft versuchen den Menschen zu helfen, nicht alles was man im Internet liest zu glauben, und Quellen zu hinterfragen. Medienbildung ist ein sehr wichtige Disziplin. Zusätzlich müssen wir kritischen Qualitätsjournalismus fördern. Dieser ist eine wichtige Säule für das Funktionieren unserer Demokratie.

Partizipation im Entscheidungsprozess

Die Bürger haben in Österreich alle 5 Jahre die Möglichkeit über das politische System zu urteilen. Die Vertrauenswerte in die Politik sind besorgniserregend. Einer OGM Umfrage zufolge geben 87% der Österreicher an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Politik zu haben.

Die Menschen haben auch das Gefühl der Ohnmacht, weil sie nichts verändern können. Viele Menschen sehnen sich daher nach Veränderung.

Neue Möglichkeiten der digitalen Welt würden auch neue Möglichkeiten eröffnen können, um Bürger informiert zu halten, und in Entscheidungsprozesse einzubinden. Wenn die Sorgen und Problemen der Menschen Gehör geschenkt wird und sich diese auch verstanden fühlen, dann wird auch das Vertrauen in die Politik wieder steigen.

Wir müssen uns selbst wieder als Teil der des Entscheidungsprozesses verstehen. Bürger müssen ihre Verantwortung wieder wahrnehmen. Dafür ist es aber auch erforderlich, dass die Bürger über tragfähige Informationen verfügen und auch das Gefühl haben wirklich etwas bewegen zu können.

Wahlen und direktere Demokratie

Es ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie, dass Wahlen weiterhin geheim sind. Derzeit ist keine technische Möglichkeit bekannt wie Wahlen tatsächlich elektronisch geheim abgewickelt werden können. Aus diesem Grunde glauben wir – auch als Digital Society, dass solange sich das nicht ändert, Wahlen weiterhin auf gewohntem Wege abgewickelt werden sollten, denn ansonsten wäre Manipulation und Wählerbeeinflussung Tür und Tor geöffnet.

Die jüngsten Ereignisse rund um Cambridge Analytica und die Deutsche Post sind besorgniserregend. Wir müssen auch hier hinterfragen, inwiefern die Nutzung von vorhandenen Daten dazu angetan ist, Wählermeinungen zu manipulieren.

Grundrechte

Grundrechte sind die Basis für das Funktionieren unseres demokratischen Systems. Es muss gewährleistet sein, dass die Grundrechte auch in der digitalen Welt geachtet werden. Nur weil technisch bestimmte Dinge mittlerweile leicht umsetzbar sind, dürfen sie nicht umgesetzt werden, wenn dadurch die Grundrechte ausgehöhlt werden.

Digital Society

Die Digital Societ ist ein gemeinnütziger Verein, der 2015 gegründet wurde, und sich für die positive Nutzung der Digitalisierung unserer Gesellschaft einsetzt. Unsere Vision ist eine freie digitale Welt von der alle Mitglieder unserer Gesellschaft profitieren.

Die Digital Society setzt sich für eine Neuerfindung des Bürgertums ein. Wir haben diesen Arbeitsschwerpunkt unter den Titel #Citizen40 gesetzt. In Anlehnung an Industrie 4.0. Wir wollen die digitale Transformation nutzen, um unser gesellschaftliches System zu unserem Nutzen zu verändern, frei nach unserem Motto “… changing the digital world together!”. Wir können das nicht alleine schaffen und benötigen dazu Deine Unterstützung. Du kannst uns durch Mitarbeit, durch eine Spende aber auch durch eine Mitgliedschaft unterstützen. Nähere Informationen dazu findest Du unter https://DigiSociet.at

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