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Bildung

Die Digitalisierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Bildung. Nicht nur weil die Digitalisierung eine Auswirkung auf das Ausbildungssystem hat, sondern weil auch die Wirtschaft andere Arbeitskräfte benötigt, als die, die vom derzeitigen Bildungssystem "produziert" werden.

Digitale Alphabetisierung

Die „International Computer and Information Literacy Study“ erfasst die Medienkompetenzen von Schülern in der 8. Schulstufe im internationalen Vergleich. Folgende Kompetenzen werden dabei getestet:

  • Kompetenzen zur Nutzung von Technologien zur Recherche von Informationen (z. B. im Internet)
  • die Fähigkeit, die gefunden Informationen im Hinblick auf ihre Qualität/Nützlichkeit zu bewerten
  • die Kompetenz, durch die Nutzung von Technologien Informationen zu verarbeiten und zu erzeugen
  • die Kompetenz, neue Technologien zur Kommunikation von Informationen zu nutzen
  • Kompetenzen für einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit ICT.

Es zeigt sich bei diesem Test, dass die „digital Natives“ zwar mit Computern umgehen können, aber in weiten Bereichen mit dem Einsatz, den Vorteilen und den Problemen des Einsatzes nicht so vertraut sind wie man vermuten könnte. Hier muss also gerade im Bereich der Vermittlung von Medienkompetenz angesetzt werden.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist nicht nur die Vermittlung von Wissen über die Anwendung der Technologie, sondern auch Wissen über die gesellschaftlichen Auswirkungen, wie rechtliche Rahmenbedingungen (Urheberrecht, Datenschutz) und Sicherheitsaspekte.

Ausstattung

Die Digital Society hat an der Erstellung des vor kurzem vorgelegten "Grünbuch Digitaler Wandel" mitgearbeitet. Dort wurde angeregt, alle Schulklassen mit Tablets und alle Schüler mit E-Mail Adressen auszustatten. Die Idee ist prinzipiell gut, greift aber erheblich zu kurz.

Einer unserer Mitgliedsvereine (ClubComputer - damals noch als Personal Computer Club am TGM) hat sich bereits 1986 darum bemüht, HTL Schülern eine adäquate Ausstattung zu bieten und Schulen mit PC's auszustatten. Heutzutage sind wohl die meisten Schülerinnen nud Schüler mit Computer, Laptop oder Tablet ausgestattet, jedoch stellt eine solche Anschaffung weiterhin für Familien eine finanzielle Belastung dar. Diese digitale Kluft gilt es zu schließen.

Zu bedenken ist, dass Computer, Laptops und Tablets nur Werkzeuge sind und noch nicht die Lösung. Die technische Entwicklung findet so rasant statt, dass Lehrinhalte kaum mehr Schritt halten können. Eine Bring your own device (BYOD) Strategie (ggf. mit Staatlicher Förderung) ist hier sicherlich zielführender als Leihtablets, oder Notebook Klassen.

Eine große Meine an Lehrinhalten wird nur „analog“ zur Verfügung gestellt. Es werden jährlich ca. 100 Mio EUR aus dem FLAF (Familenlastenausgleichsfonds) in die Schulbuchaktion investiert. Würden Teile dieses Budgets dazu verwendet freie (im Sinne des Urheberrechts also „OER“ Open Educational Ressources) digitale Lernhilfen bereitzustellen, die auch laufend aktualisiert werden könnten – könnte auch in diesem Bereich ein großer Schritt vorwärts gemacht werden.

Nutzung

Die Arten der Nutzung digitaler Technologien unterliegen einem dauernden Wandel. Ist die Verwendung von E-Mail für Ältere selbstverständlich, wird sie hingegen von jungen Menschen fast ausschließlich nur noch dafür verwendet um sich für Online-Dienste wie Facebook oder Whatsapp zu registrieren - für persönliche Kommunikation wird dieser Dienst so gut wie gar nicht mehr genutzt.

Auf diese Veränderungen muss auch im Ausbildungssystem Rücksicht genommen werden. Schülerinnen und Schülern muss eine moderne Infrastruktur für kollaboratives Arbeiten und Lernen in der Schule zur Verfügung gestellt werden.

Hier existieren innovative Ideen. Gamification erweist sich als überragende Methode, die mühsamen, teilweise sehr administrativen Tätigkeiten im Schulalltag aufzulockern und Jugendliche wie Lehrende zu motivieren. Classcraft setzt beispielsweise auf Rollenspielelemente, um Motivation und damit Konzentration zu erhöhen, Teamfähigkeiten zu fördern und Spannungen abzubauen.

Ort und Zeit

Ähnlich wie die Arbeitswelt unterliegt auch die Ausbildung einer Dezentralisierung. Man muss heute nicht mehr physisch an einen Ort gehen um zu lernen. Digitale Dokumente und Videostreams bringen hochqualitative Lehrinhalte und Lehrende aus aller Welt  zu jedem denkbaren Thema in jedes Klassenzimmer, aber auch in alle anderen Räumlichkeiten und schaffen die Möglichkeit, Schülerinnne und Schüler von überall her am Unterricht teilnehmen zu lassen.

Das physische Beisammensein bleibt wichtig und notwendig, um soziale Kontakte und Teamfähigkeit aufzubauen, nicht aber für den Unterricht, den Transport von Wissen per se.

Unter diesen Aspekten ist zu überlegen, ob Schulgebäude diese Ansprüche noch optimal unterstützen.

Unser Schulsystem

Wir haben gerade eine "große" Bildungsreform hinter uns (und deren Umsetzung vor uns).

Unser Schulsystem - so wie wir es kennen - stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde als dreistufiges Ausbildungssystem eingerichtet, das bis heute erhalten ist:

  1. Die Pflichtschuljahre (Volksschule und Unterstufe)
    hatten zum Ziel, Fabriksarbeiter heranzuziehen. Am Beginn der Industrialisierung wurden Arbeiter benötigt, die repetitive Tätigkeiten ausführen ohne über deren Sinnhaftigkeit allzu sehr nachzudenken. "Einheitsmenschen", die gut ersetzbar waren.
  2. Die Oberstufenjahre
    hatten zum Ziel, Verwaltungsbedienstete (von denen es wenige gab) für diese Fabriken und den Staat auszubilden.
  3. Das Universitätsstudium
    hatte zum Ziel, Menschen für Wissensberufe wie Ärzte, Rechtsanwälte, oder Lehrer heranzuziehen. Davon gab es noch viel weniger als Verwaltungsbedienstete.

Heutzutage sehen die Anforderungen an die Kenntnisse und Eigenschaften von Mitarbeiter in der digitalen Welt so aus:

  • kreativ
  • teamfähig
  • eigenverantwortlich
  • vernetzt

Der US Wissenschafter George Land untersuchte in einer Studie Ende des 20. Jahrunderts, welche Auswirkungen die "moderne" Schulausbildung auf die Fähigkeiten unserer Jugend hat. Er testete die Kreativität von 1600 Kinder ab dem Alter von 5 Jahren mit einem für die NASA entwickelten Test, mit dem diese die Kreativität von Astronautenanwärtern misst. Diesen Test wiederholte er bis ins Erwachsenenalter. Die Ergebnisse stimmen nachdenklich. Für den Anteil an hochgradig Kreativen in den jeweiligen Altersstufen fand man:

  • 5 Jährige: 98%
  • 10 Jährige: 30%
  • 15 Jährige: 12%
  • Erwachsene: 2%

Unser Bildungssystem leistet also hervorragende Arbeit. Es macht uns zu braven Fabriksarbeitern, die ihre Aufgaben durchführen, ohne hochgradig kreativ und vernetzt zu denken. Das entspricht zwar den Anforderungen von um 1900, aber nicht den oben genannten, von den Unternehmen gewünschten Fähigkeiten.

Unser Bildungssystem wird laufend weiter entwickelt, neue Lehrmethoden versuchen die obigen Fähigkeiten zu stärken, basiert aber noch immer auf dem starren 3-Stufen-System. Wird unsere soeben mühsam auf den Weg geschickte "große Bildungsreform" diese Probleme angehen und lösen? Eher nicht. Die Probleme liegen bedeutend tiefer.

Erwachsenenbildung

Ein wichtiger Punkt ist auch die Bildung von älteren Personen nicht zu vergessen. Vor allem diese Personen haben oft Probleme den Anschluss nicht zu verlieren, sind skeptisch gegenüber neuen Technologien und werden durch die voranschreitende Digitalisierung in manchen Bereichen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Es ist hier wichtig diesen Personen den Zugang zu diesen Technologien zu ermöglichen und entsprechendes Wissen zu vermitteln und die Scheu davor zu nehmen.

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