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Technologie verändert unsere Arbeitswelt grundlegend. Die Gewerkschaften fordern mehr Urlaub und pochen auf die Einhaltung der Wochenendruhe und 38,5 Stunden Woche. Haben diese Begriffe aber noch Relevanz, wenn man dank Mobiltelefon und Internet eigentlich ständig arbeitet? “My Office is where I am” – verkünden Technologiekonzerne stolz. Ich sitze zu Hause auf der Terrasse, schaue in den Garten und arbeite dabei. Das ist zum Nutzen des Arbeitnehmers, aber auch zum Nutzen des Arbeitsgebers. Wie müssen Regelungen aussehen, die mit der faktischen Situation  im Jahre 2015 zusammenpassen?

Aber auch für Manager ist es heute schwierig. Früher war der Manager in der Nähe des Mitarbeiters, Das Management konnte die Mitarbeiter immer unter Kontrolle haben. Heute benötigen Manager vertrauen. Es lässt sich schwer kontrollieren, wieviel ein Mitarbeiter arbeitet, der nicht nebenan am Schreibtisch sitzt. Mitarbeiterführung ist in der heutigen Zeit etwas anderes als noch vor 20 Jahren.

Die Stechuhr ist sicherlich noch immer in vielen produzierenden Unternehmen vorhanden und nicht wegdenkbar. In anderen Branchen ist sie aber ein Relikt aus einer vergangenen Epoche, veraltet und vielfach hinderlich. Die im Büro verbrachte Arbeitszeit ist heute kein Messkriterium für Arbeit mehr. Heute wird von leistungsbezogener Bezahlung gesprochen.

Internet und Mobiltelefon ermöglichen, dass wir immer und überall arbeiten können – und die Erwartungshaltung der Unternehmen ist zunehmend auch, dass die Arbeitnehmer immer und überall erreichbar sind. In der Nacht, am Wochenende – und im Urlaub. Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit sind daher oft sehr verschwommen.

Arbeitnehmerschutzregelungen existieren, sie sind jedoch teilweise unflexibel und nicht immer anwendbar, aus praktischen wie wirtschaftlichen Gründen. Nach diesen Regelungen müssten wohl ein Gutteil aller “Information Worker” in Dauerbereitschaft bezahlt werden, weil sie im Grunde rund um die Uhr erreichbar sind. Früher bedeutete Bereitschaft eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit, musste man doch in Hörweite eines Festnetztelefons und des Computers sein. Handy, Notebook und mobile Datenübertragung haben hier die Bewegungsfreiheit massiv ausgeweitet, sodass in Normalsituationen nur mehr eine geringe Einschränkung besteht. Aktuelle Regelungen nehmen auf diese geänderten Umstände nicht immer Rücksicht. Die Forderungen der Gewerkschaften nach Reduktion der Arbeitszeit klingen daher antiquiert, fast wie aus dem vorigen Jahrhundert. Wie soll man etwas reduzieren, das nicht einmal mehr wirklich messbar ist. Wie könnten aber Regelungen aussehen, die zum Nutzen der Arbeitnehmer und zum Wohle der Arbeitgeber sind?

Auch muss der Arbeitnehmer von heute anders arbeiten als früher. Man verlangt von ihm, dass er sehr flexibel und eigenverantwortlich arbeitet. Teamfähig ist, wie ein Unternehmer denkt. Oftmalig wird daher auch eine feste Anstellung durch ein freies Dienstverhältnis ersetzt. Die Mitarbeiter arbeiten auf Projektbasis. Die Sicherheit der festen Anstellung gibt es nicht mehr. Sie ist sogar im Staatlichen Umfeld nur noch selten. Beamte wurden Großteiles durch Vertragsbedienstete ersetzt.

Diskussionsgruppe

In unserer Gruppe Arbeitswelt können interessierte über das Thema der Veränderung der Arbeitswelt durch die Digitalisierung diskutieren.

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