Arbeit

Die Digitalisierung verändert die uns bekannte Arbeitswelt grundlegend. Laut einer aktuellen Studie wird es 50% der heutigen Berufe in 20 Jahren nicht mehr geben. Dafür wird es eine Reihe von neuen Berufen geben, die wir heute nicht einmal noch kennen. Das stellt vor allem das Bildungssystem vor große Herausforderungen. Schließlich müssen wir unsere Kinder in den Schulen und Universitäten für Berufe ausbilden, die es heute nicht einmal noch gibt.

Die Gewerkschaften fordern mehr Urlaub und pochen auf die Einhaltung der Wochenendruhe und eine 38,5 Stundenwoche. Haben diese Begriffe noch Relevanz, wenn man dank Mobiltelefon und Internet eigentlich ständig arbeitet? “My Office is where I am” – verkünden Technologiekonzerne stolz. Ich sitze zu Hause auf der Terrasse, schaue in den Garten und arbeite dabei. Das ist zum Nutzen des Arbeitnehmers, aber auch zum Nutzen des Arbeitsgebers. Die Regierung hat gerade die Möglichkeit für den 12 Stunden Tag geschaffen. Manche Arbeitnehmer verstehen die Aufregung darüber nicht, weil in Wissensberufen dieser teilweise schon lange gelebt wird. In anderen Berufen stellt es vor allem Mütter und Alleinerziehende vor große Probleme. Wie müssen Regelungen aussehen, die mit der faktischen Situation im Jahre 2019 zusammenpassen?

Aber auch für Manager ist es heute schwierig. Früher war der Manager in der Nähe des Mitarbeiters, Das Management konnte die Mitarbeiter immer unter Kontrolle haben. Heute benötigen Manager Vertrauen. Es lässt sich schwer kontrollieren, wie viel ein Mitarbeiter arbeitet, der nicht nebenan am Schreibtisch sitzt. Mitarbeiterführung ist in der heutigen Zeit etwas anderes als vor 20 Jahren.

Die Stechuhr ist immer noch in vielen produzierenden Unternehmen vorhanden und nicht wegzudenken. In anderen Branchen ist sie aber ein Relikt aus einer vergangenen Epoche, veraltet und vielfach hinderlich. Bei Wissensarbeitern ist die im Büro verbrachte Arbeitszeit nicht mehr das Messkriterium für Arbeit. Heute wird über leistungsbezogener Bezahlung nachgedacht.

Internet und Mobiltelefon ermöglichen, dass wir immer und überall arbeiten können – und die Erwartungshaltung der Unternehmen ist zunehmend auch, dass die Arbeitnehmer immer und überall erreichbar sind. In der Nacht, am Wochenende – und im Urlaub. Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit sind daher oft sehr verschwommen. Diese Entwicklung bringt aber auch Nachteile für die Erholung. Mitarbeiter sind mit dem Kopf oft ständig im Büro. Auch hier bedarf es Lösungen wie die Mitarbeiter zu ihrer Erholung kommen.

Arbeitnehmerschutzregelungen existieren, sie sind jedoch teilweise unflexibel und nicht immer anwendbar, aus praktischen wie wirtschaftlichen Gründen. Nach diesen Regelungen müssten wohl ein Gutteil aller “Information Worker” in Dauerbereitschaft bezahlt werden, weil sie im Grunde rund um die Uhr erreichbar sind. Früher bedeutete Bereitschaft eine massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit, musste man doch in Hörweite eines Festnetztelefons und des Computers sein. Handy, Notebook und mobile Datenübertragung haben hier die Bewegungsfreiheit massiv ausgeweitet, sodass in Normalsituationen nur mehr eine geringe Einschränkung besteht. Aktuelle Regelungen nehmen auf diese geänderten Umstände nicht immer Rücksicht. Die Forderungen der Gewerkschaften nach Reduktion der Arbeitszeit klingen daher antiquiert, fast wie aus dem vorigen Jahrhundert. Wie soll man etwas reduzieren, das nicht einmal mehr wirklich messbar ist. Wie könnten aber Regelungen aussehen, die zum Nutzen der Arbeitnehmer und zum Wohle der Arbeitgeber sind?

Auch muss der Arbeitnehmer von heute anders arbeiten als früher. Man verlangt von ihm, sehr flexibel und eigenverantwortlich zu arbeiten, teamfähig zu sein und wie ein Unternehmer zu denken. Oftmalig wird daher auch eine feste Anstellung durch ein freies Dienstverhältnis ersetzt. Die Mitarbeiter arbeiten auf Projektbasis. Die Sicherheit der festen Anstellung gibt es nicht mehr. Sie ist sogar im staatlichen Umfeld nur noch selten – Beamte wurden und werden vielfach durch Vertragsbedienstete ersetzt.

Ehemals sichere Jobs, wie Bankbeamte, werden heute wegrationalisiert. Mobile Banking ersetzt in vielen Bereichen den Bankbeamten. Bargeschäfte in der Bank wurden zum Bankomaten verlegt. Einzig die Beratungsleistung ist derzeit noch die Domäne eines gut ausgebildeten und geschulten Mitarbeiters. Chatbots und künstliche Intelligenz, werden jedoch immer besser, und werden auch in diesen Bereich eindringen. Diese Entwicklung erinnert an die Worte von Bill Gates, der einst gesagt hat “banking is necessary, banks are not”. Wie recht er damit hatte sieht man an der großen Zahl der Filialschließungen.

Durch die Digitalisierung werden andere Anforderungen an die Mitarbeiter gestellt. Es fallen eine Menge an Jobs und Berufen weg. Zweifelslos werden auch viele neue Berufe entstehen. Es ist allerdings die Frage wie viele Menschen diese Umstellungen schaffen, und wie man sie auch dabei unterstützen kann, neue Fähigkeiten und Kompetenzen zu erlernen. Das ist eine Herausforderung für die Mitarbeiter, aber auch die Unternehmen und die gesamte Gesellschaft. Eine wichtige Frage ist auch, wie man die Menschen auffangen kann, die diese Umstellungen nicht – oder nicht in der geforderten Geschwindigkeit schaffen.

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