Nachdem ich vom Corona-Virus wieder gut genesen bin, möchte ich den Ablauf meiner Erkrankung und vor allem die Interaktion mit den offiziellen Stellen hier festhalten.

Begonnen hat meine Erkrankung am Freitag, den 20.3. mit hohem Fieber. Wo ich das Virus aufgeschnappt habe ist unklar, ich war weder in Ischgl oder einem der anderen Infektionsgebiete, noch hatte ich wissentlich Kontakt mit einer infizierten Person. Allerdings war ich am Anfang der Woche in Berlin, und so ein Flugzeug ist ein idealer Umschlagplatz für Infektionen, selbst wenn wir alle mehrere Reihen auseinander saßen.

Management Summary
Die offiziellen Stellen waren so langsam in ihren Reaktionen dass ich annehmen muss, sie kommunizierten per Brief bzw. per Hauspost. Von elektronischer Schnelligkeit war hier nichts zu merken. Dass ich den Absonderungsbescheid erst 14 Tage nach der Testung bekommen habe, zu einem Zeitpunkt, als ich schon wieder zwei Tage symptomfrei war und daher laut den Kriterien im Bescheid als nicht mehr ansteckend galt, entbehrt nicht eines gewissen Humors. Ich hoffe sehr, dass hier noch Evaluierungen erfolgen, damit die Kommunikation zwischen den Stellen und damit die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich erhöht werden kann.

Am Samstag hatte ich weiter Fieber mit Schüben über 39 Grad und einen trockenen Reizhusten. Noch hätte es ein normaler grippaler Infekt sein können, als ich allerdings am Sonntag Vormittag nach und nach meinen Geruchs- und Geschmackssinn verlor, war es klar: Corona. Ich rief daraufhin bei 1450 an, ein netter, aber müde klingender junger Mann nahm das Gespräch an, nahm meine Daten auf und ging die Checkliste durch. Da ich ihm Berlin als mögliche Quelle nennen konnte, verband er mich wegen einer Testung weiter. Ohne dieses Detail hätte ich wohl keine Testung bekommen, obwohl der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns ein eindeutiger Indikator ist. Der aber nicht auf der Checkliste steht.

Ich wurde zu einer netten Dame mit offenbar medizinischem Hintergrund verbunden, die nochmal die Symptome mit mir durch ging, meine Daten korrigierte (der junge Mann schien wirklich schon sehr müde gewesen zu sein, er hatte einige Tippfehler gemacht) und mir ankündigte, dass “in den nächsten Tagen” jemand zum Proben Nehmen vorbeikommen würden. 

Weiters solle ich ein Online-Krankheitstagebuch führen, in dem ich meine Symptome (Fieber, Husten, Schnupfen, Übelkeit/Durchfall) täglich dokumentieren solle. Dazu bekam ich zweimal täglich eine SMS mit einem Link zu einem Webformular, das ich die nächsten Wochen immer brav ausfüllte. Edit: auf diesem Fragebogen stand groß, man solle den Notruf 141 anrufen, wenn die Symptome schlimmer werden sollten.

Und tatsächlich, schon am Montag Abend läutete mein Telefon und ein Sanitäter kündigte mir seinen Besuch an. Er erschien in Schutzkleidung und Schutzmaske, fuhr mir zwischen Tür und Angel mit zwei langen Wattestäbchen einmal tief in die Nase und einmal über die Rückseite meines Rachens, rührte die Gewebeproben in ein Teströhrchen und war schon wieder weg.

Timeline

  • um den 16.3. Infektion
  • Fr 20.3. Ausbruch mit hohem Fieber
  • So 22.3. Anruf bei 1450
  • Mo 23.3. Abstrich
  • Di 24.3. Labortest
  • Do 26.3. Brief mit positivem Befund
  • So 29.3. Anruf vom Ärztefunkdienst
  • Mi 1.4. Anruf vom Gesundheitsamt
  • Fr 3.4. Gesundung
  • Mo 6.4. Anruf bei 1450, Abstrich,
    E-Mail mit Absonderungsbescheid
  • Di 7.4. Labortest
  • Do 9.4. Brief mit negativem Befund,
    E-Mail ans Gesundheitsamt
  • Di 14.4. Anruf vom Gesundheitsamt, Aufhebungsbescheid

Ich konnte gerade noch in Erfahrung bringen, dass das Testergebnis “wegen hoher Laborauslastung ein paar Tage” dauern könne. Edit: die Probenentnahme war unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Das Wattestäbchen in der Nase berührt natürlich Stellen, die zuvor noch nie berührt wurden. Das ist unangenehm, da schreit die Schleimhaut dann laut “Hey, was soll das!” und man tendiert zum Zurückzucken. Wenn man sich mental darauf vorbereitet, ist es aber kein Problem. Der Rachenabstrich löst naturgemäß einen Würgereflex aus. Da die Berührung aber nur kurz ist, ist es auszuhalten.

Dann begann das Warten. Ich hatte mich natürlich bereits am Freitag in Quarantäne begeben und lag zu Hause alleine auf der Couch oder im Bett, sah fern, schrieb auf Twitter oder schlief. Zu Essen brauchte ich kaum was, ohne Geschmackssinn schmeckte nichts. Ich hatte noch den Fehler begangen, mir am Sonntag eine Pizza zu bestellen, von der ich ausser salzig, süß und bitter nichts schmeckte. Das hätte ich mir sparen können…

SARS-CoV-2 Testung positiv

Nachdem drei Tage verstrichen waren, ging ich am Donnerstag spät nachts hinunter in die Eingangshalle zum Briefkasten, mit einem Halstuch vor den Mund gebunden und desinfizierten Händen, um das Virus ja nicht zu verbreiten. Und tatsächlich, da war er, der Brief mit den Laborergebnissen. Positiv. Nicht überraschend.

Die Probe war am Dienstag Morgen ins Labor gekommen, bereits am Abend lag das Ergebnis vor. Am Mittwoch ging der Befund in die Post und am Donnerstag war er bei mir. Schneller geht’s wohl nicht. Von “hoher Laborauslastung” war hier nichts zu erkennen.

Was aber in der Woche nicht kam, war ein Anruf zum positiven Testergebnis. Erst am Sonntag den 29.3. rief mich der Ärztefunkdienst an und eine nette Dame erklärte mir, dass ich mich doch bitte in Quarantäne begeben möge. Natürlich. Gerne. War ich ja schon seit über einer Woche. Sie fragte mich noch freundlich, ob ich eh jemanden hätte der für mich Besorgungen erledigen könne. Ja, hatte ich.

Da ich mittlerweile schon über eine Woche dauernd hohes Fieber um die 39° bis 39,5° hatte und sich mein Gehirn allmählich weichgekocht anfühlte, begann ich, das Fieber mit hohen Dosen Ibuprofen zu senken. Nach zwei Tagen hatte mein Körper es dann kapiert und das Fieber war weg.

Am Mittwoch, den 1. April erhielt ich einen Anruf vom Gesundheitsamt der Stadt Wien. Mir wurde nochmals mitgeteilt, dass ich positiv getestet sei und dass ich jetzt einen Absonderungsbescheid erhalten würde und das Haus nicht mehr verlassen dürfe. Eineinhalb Wochen nach Ausbruch der Krankheit. Jo eh.

Am Freitag, den 3.4., vierzehn Tage nach Beginn meiner Symptome begann es dann langsam gesundheitlich aufwärts zu gehen. Ich fühlte mich nicht mehr so abgeschlagen und hatte auch keinen trockenen Hustenreiz mehr, sondern einen mit leichtem Schleimauswurf, der auf die Birkenpollen zurückzuführen war, genauso wie der steigende Niesreiz. Ich mag ja Birkenholzmöbel sehr, besonders die von Ikea, aber die Pollen können mir gestohlen bleiben. 

Da es mir übers Wochenende recht gut ging, rief ich am Montag, den 6.4. wieder bei 1450 an und meldete mich gesund. Ich bat um eine erneute Testung, was mir auch gewährt wurde. Der Anruf war um 12 Uhr, bereits um 14 Uhr stand erneut ein vermummter Sanitäter vor der Tür und entnahm mir Proben aus Nase und Rachen. Unangenehm, aber nicht wirklich schmerzhaft.

Bescheid: Herr Roland Giersig wird seit der Verfügung vom 31.3. bis zur Aufhebung dieses Bescheids in seiner Wohnung abgesondert.

Am selben Tag erhielt ich dann endlich den Absonderungsbescheid des Gesundheitsamts, datiert mit 4.4. per E-Mail. Die Formulierungen im Bescheid waren gelinde gesagt gequirltes Beamtendeutsch. Wie das eine ungeübte Person verstehen soll ist mir unklar. Edit: ich habe mittlerweile erfahren, dass meine Fassung des Bescheids schon die überarbeitete, verbesserte Version war. Zu Beginn der Epidemie gab es eine noch undurchschaubarere Version.

SARS-CoV-2 Testung negativ

Die Probe wurde, wie zwei Wochen zuvor, am Dienstag im Labor getestet und ich erhielt das Ergebnis – negativ, hurra! – am Donnerstag in der Post. Ich scannte den Laborbefund noch am selben Tag ein und schickte ihn per E-Mail an das Gesundheitsamt, in der Hoffnung, der Bescheid würde sogleich bzw. noch vor Ostern aufgehoben werden. Aber offenbar hatten alle am Karfreitag frei genommen.

 So musste ich noch über Ostern ausharren. Zum Glück hatte mir die Familie ein Ostern-Fresspacket geschickt (an dem ich immer noch esse).

 Am Dienstag, dem 14.4. kam dann ein Anruf aus dem Gesundheitsamt, der mir versprach, ich würde heute noch den aufhebenden Bescheid bekommen. Und tatsächlich, eine halbe Stunde später war der Bescheid in meiner Inbox.

Der Bescheid wird mit 14.4. aufgehoben

Blieben noch die täglichen SMS des Gesundheitstagebuches. Obwohl eigentlich allen Stellen bekannt war, dass ich gesund war und ich das auch im Tagebuch vermerkt hatte, kamen immer noch die SMS. Ich rief daher am 15.4. beim Gesundheitsdienst der Stadt Wien an, schilderte das Problem, wurde weiter verbunden und eine nette Dame deaktivierte die SMS. Damit war die Sache erledigt.

Fazit:

Das Testlabor hat in Rekordzeit gearbeitet. Die anderen beteiligten Stellen nicht. Besonders die Weitergabe der Laborergebnisse scheint nicht besonders gut zu funktionieren. Offenbar wurden die Testergebnisse erst dem Ärztefunkdienst bzw. Roten Kreuz übermittelt und die gaben sie ans Gesundheitsamt weiter. Denn dass der Befund eine Woche am Gesundheitsamt liegenbleibt, halte ich für unwahrscheinlich. Dass man den Absonderungsbescheid aber erst bekommt, wenn man eigentlich schon wieder gesund ist, ist ziemlich absurd. Auf Grund der Verzögerung bei der Aufhebung des Bescheids war ich eine Woche länger abgesondert als notwendig.

Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Stellen hier Evaluierungen vornehmen um die Kommunikation zwischen den Stellen und Behörden verbessern und beschleunigen. Im Zeitalter eines Elektronischen Aktes dürfte es solche Wartezeiten eigentlich nicht mehr geben.

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Roland Giersig

Vizepräsident bei Digital Society
Roland Giersig ist Physiker, studiert Rechtswissenschaften, ist Sicherheitsexperte und Inhaber und Geschäftsführer der Firma SafeSec. Seine Anliegen sind besonders die Transparenz der öffentlichen Verwaltung und die Einhaltung der Grundrechte im digitalen Raum.
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