Summary in English language: Due to Babyboomers retiring and limited population growth, 3 million expert workers will be missing and hence not available for the German economy until 2030. Reforms enhanced working conditions and make working in Germany very attractive, compared to the German speaking country Austria. These effects will most probably lead to mass migration of qualified resources from Austria to Germany, which implies an urgent call for action for the Austrian industry.

Bis 2030 geht die Babyboomer-Generation in Rente. Das bedeutet, dass in dem kurzen Zeitraum bis dahin auf einen Schlag 40 bis 50% der Fachkräfte in Österreich und Deutschland altersbedingt ihre Plätze in den Betrieben räumen. Aufgrund eines zweiten Effekts wird die Nachbesetzung dieser offenen Stellen eine extrem große Herausforderung. Der zweite Effekt, der die Fachkräftelücke verschlimmern wird, ist das mangelnde Bevölkerungswachstum. Beide Effekte treffen Österreich und Deutschland voll und hart, jedoch (laut aktuellen Studien) Deutschland noch härter als Österreich. Dort werden aufgrund der zwei Effekte bis 2030 zwischen 3 und 9 Millionen Fachkräfte fehlen. Ganz genau lässt sich die Lücke nicht bestimmen. Aber eine massive Lücke von mindestens 3 Millionen fehlenden Fachkräfte wird es wohl mindestens sein. Und wir sprechen hier von Fachkräften, also qualifizierten Arbeitskräften.

Als Folge der 3-Millionen-Lücke in Deutschland ist zu erwarten, dass Fachkräfte von Österreich nach Deutschland abwandern werden. Denn die Arbeitsbedingungen in Deutschland erweisen sich dort in wesentlichen Punkten attraktiver. Was macht das Arbeiten in Deutschland aus Sicht von Fachkräften attraktiver:

  • Fachkräfte verdienen deutlich mehr; nehmen wir nur einmal das prominente Beispiel der Jungärzte
  • Lebenshaltungskosten sind 5 bis 15% günstiger
  • Kündigungen können nur mit Begründung erfolgen
  • Ab 50 besteht substantieller Kündigungsschutz
  • Der jährliche Urlaubsanspruch liegt höher, und zwar bei 30 Tagen statt 25
  • Zeitwertkonten sind gesetzlich verankert, d.h. ArbeitnehmerInnen können Überstunden langfristig sammeln und sogar von Unternehmen zu Unternehmen mitnehmen, z.B. für eine spätere Karenzzeit oder frühere Rente oder eine grössere Auszahlung, wenn es gebraucht wird.
  • Die Zahl der Unternehmen, die mobiles Arbeiten bieten, ist ca. 5 bis 10% höher.
  • Unternehmen investieren erhebliche Summen in Gesundheitsthemen und investieren wirklich substantiell
  • Es gibt die gesetzliche Flexirente. D.h. wer in der Pension arbeitet und sein Know-how weiter zu Verfügung stellt, wird dafür finanziell nicht abgestraft.

Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt:

Das Jobangebot ist grösser. In Bayern und Baden-Würtemberg herrscht sogar Vollbeschäftigung. Hierdurch steigt für ArbeitnehmerInnen nicht nur die Chance, den Traumjob zu finden, sondern auch die Beschäftigungssicherheit. In der IT-Branche ist die Situation in Deutschland sogar schon so weit zugespitzt, dass sich Unternehmen den BewerberInnen in spezialisierten Talent-Hunt-Formaten vorstellen und nicht mehr umgekehrt.

Aussitzen hilft der österreichischen Industrie nicht weiter. Der demographische Wandel macht sich heute bereits an den Hochschulen bemerkbar. Das ist das Vorbeben. Ab 2020 trifft es dann die Industrie in beiden Ländern. Und ab dann ist mit Abwanderung in Richtung Deutschland im zunehmendem Maß zu rechnen.  Die gute Nachricht ist: Das Abwandern von Fachkräften aus Österreich kann abgewendet werden. Dazu ist es erforderlich, bereits lange ausstehende Hausaufgaben zu erledigen. Die Formel hierfür lautet: In Deutschland erreichte Mindeststandards auch in Österreich mit Hochdruck nachziehen. Die zweite gute Nachricht: Das Rad muss nicht neu erfunden werden. In Deutschland bereits ausgetestete Best Practices, wie z.B. die Flexirente, Zeitwertkonten, Kündigungsrecht, Urlaubsanspruch oder die Förderung mobil-flexibler Arbeitsweisen, können rasch adaptiert und in angepasster Form in Österreich implementiert werden. Das spart 10 bis 20 Jahre Entwicklungsarbeit, die in Deutschland zum Beispiel im Zuge verschiedener Gesetzesreformen oder breit angelegter Innovationsinitiativen bereits geleistet wurden (siehe zum Beispiel “Weißbuch Arbeiten 4.0” des bundesdeutschen Ministerium für Arbeit und Soziales). Und wahrscheinlich finden sich noch viele smartere österreichische Wege auf dieser Abkürzung, die den Effekt ggf. umkehren können. Denn nicht vergessen: In Österreich entsteht ebenso die demographische Lücke ab 2020, die es zu füllen gilt. Bisher haben wir nur über das größere Problem gesprochen. Und das ist die zusätzliche Abwanderung nach Deutschland.

Noch ein weiterführender Hinweis zum Schluss: Wer sich zusätzlich dafür interessiert, welche Mitarbeiterprofile zukünftig besonders in Firmen begehrt sind, kann an dieser englischsprachigen Studie teilnehmen und bekommt im Gegenzug den Endbericht. Hier geht es zum Fragebogen.

Quelle Bild: http://blog.meinpraktikum.de/zum-studieren-wegziehen-die-vor-und-nachteile/

Michael Bartz’ Blog: https://newworldofwork.wordpress.com/

Bitte beteiligen Sie sich auch an unserem Partizipationsprozess zum Thema Zukunft der Wissensarbeit: https://DigiSociety.at/wp-arbeit 

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Michael Bartz

Professor bei IMC-FH Krems
Professor am Institut für International Business an der IMC-FH Krems. Kernkompetenzen sind digitale Business Transformation, New World of Work sowie digitale Geschäftsmodelle.
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