Der Pianist James Rhodes hat ein Stück von J.S. Bach bei sich im Wohnzimmer aufgenommen und bei Facebook hochgeladen, woraufhin Sony behauptete, sie hätten die Rechte an diesem Stück (siehe Bild). Fälschlicherweise natürlich, da die Werke von Bach schon lange frei verfügbar sind. Dieses Beispiel zeigt eine der vielen Problematiken, die mit den neuen Upload-Filtern auf uns zu kommen können, sollte nächste Woche die EU-Copyright-Richtlinie beschlossen werden ohne dass signifikante Änderungen und Verbesserungen an ihr vorgenommen werden.

Auch Dr. Ulrich Kaiser, Professor für Musiktheorie an der Universität München, berichtet von ähnlichen Vorfällen, diesmal auf Youtube. Er führte systematische Tests mit freien Werken von Bartok, Schubert, Puccini und Wagner durch und erhielt für alle diese Werke von Youtube ContentID-Meldungen, dass jemand anderer das Urheberrecht für diese Werke beansprucht. Erst nach Beeinspruchung der Ansprüche wurden die von ihm hochgeladenen Werke freigeschalten.

Ein anderer Fall betraf anfang des Jahres einen Musiker, der ein paar Stunden an Weißem Rauschen auf Youtube hochlud, und dafür fünf(!) Copyright-Verletzungsmeldungen erhielt.

Diese Fälle zeigen sehr schön, dass Upload-Filter keine einfache technische Lösung für das Urheberrechtsproblem im Internet darstellen. Sie bedürfen eines entsprechenden legistischen Umfelds, das verhindert, dass andere in ihrer Ausübung des Rechts auf Freie Meinungsäußerung über Copyright-Claims beschnitten werden. Die jetzige Vorlage der Richtlinie enthält dazu nichts.

Am 12.9. gibt es in der Digital Society ein MeatUp zur EU-Urheberrechtsrichtlinie für alle, die darüber in gemütlicher Runde diskutieren wollen.

The future is here today: you can’t play Bach on Youtube because Sony says they own his compositions

Can Beethoven send takedown requests? A first-hand account of one German professor’s experience with overly broad upload filters

White noise video on YouTube hit by five copyright claims

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Roland Giersig

Vizepräsident bei Digital Society
Roland Giersig ist Physiker, studiert Rechtswissenschaften, ist Sicherheitsexperte und Inhaber und Geschäftsführer der Firma SafeSec. Seine Anliegen sind besonders die Transparenz der öffentlichen Verwaltung und die Einhaltung der Grundrechte im digitalen Raum.
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