Am kommenden Mittwoch den 11.10. beschäftigen wir uns in einem Digitalk über das Thema der Mobilität der Zukunft.

Elektromobilität

By Steve Jurvetson [CC BY 2.0]

Die deutsche Autoindustrie hat mit dem Dieselskandal die Glaubwürdigkeit verspielt. Mittlerweile hat der Zug Richtung Elektromobilität Fahrt aufgenommen und nicht nur Tesla ist in diese Richtung unterwegs.

Die Elektromobilität verspricht Umweltschonung. Viele Themen sind aber noch nicht gelöst. Die Elektrizität muss erzeugt werden (das passiert derzeit noch oft mit Atomstrom oder auch Kohle- und Gaskraftwerken) – auch bei der Erzeugung von Akkus ist viel Energie notwendig. Die Elektrizität muss aber auch transportiert werden und es braucht eine ausreichende Flächendeckende Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge. Die Gemeinde Wien, hat soeben angekündigt, den Ausbau der Ladestationen zu verlangsamen, weil es noch nicht ausreichend Elektrofahrzeuge gibt, um diese Ladestationen auch zu nutzen.

Eine Alternative wären Brennstoffzellen die auch das Problem der Ladezeiten lösen würde. Aber egal welche Antriebe in Zukunft vorherrschen werden, es gibt verschiedene Themenbereiche die sich verändern. Diese sind unabhängig vom Antrieb der Fahrzeuge. Fahrzeuge werden immer intelligenter, egal ob mit Elektroantrieb oder Benzin.

Fahrassistenten

Was aber von der Elektromobilität vollkommen unabhängig ist, sind die Fahrassistenten die in den letzten Jahren – vor allem von den Oberklassefahrzeugen kommend Einzug auch in Mittelklassewagen gefunden haben. Die Fahrer werden bei Fahrmanövern unterstützt. Begonnen haben diese Helfer mit einfachen Systemen wie ABS (Antiblockiersystem) oder Reifendruckkontrolle. Mittlerweile warnen Autos den Fahrer beim Spurwechsel – wenn im toten Winkel ein anderes Fahrzeug fährt, halten automatisch die Spur auf der Straße. Warnen vor Auffahrunfällen oder halten automatisch den Abstand zum Vorderfahrzeug. Auch werden mittlerweile viele Funktionen elektrisch im Fahrzeug gesteuert, begonnen von elektrischen Fensterhebern bis hin zur elektrischen Sitzverstellung oder Kofferraumdeckelöffnern. Aber auch Systeme bei denen man nicht daran denkt werden mittlerweile elektronisch gesteuert. Die Lenkung ist schon lange nicht mehr mechanisch. Die Bewegung des Lenkrades wird über Sensoren erfasst und über Motoren (s.g. Servos) an die Vorderräder weitergegeben. Das Bremspedal funktioniert ähnlich.

Ein Auto ist ein “Thing”

Um das alles möglich zu machen, werden in den Autos seit längerer Zeit Steuergeräte verbaut. Diese Steuergeräte (einer der führenden Anbieter ist hier Bosch) – sind nichts anderes als Computer. Im neuen Model 3 von Tesla kommt ein “NVIDIA DRIVE PX” System zum Einsatz. Ein Supercomputer der dem Fahrzeug ermöglicht theoretisch vollkommen autonom auf der Straße unterwegs zu sein. Diese Computer sind mit den Sensoren und Aktoren innerhalb des Autos vernetzt. Es gibt also ein Bordnetzwerk, dass all diese Geräte miteinander verbindet. Die Verbindung ist aber nicht nur innerhalb des Fahrzeuges, das Fahrzeug kommuniziert viele seiner Daten auch “nach Hause” – also zum Hersteller. Es bekommt aber auch Software Updates automatisch “over the Air” – über im Auto verbaute Mobiltelefonmodule. Das Auto ist also vernetzt – auch mit der Außenwelt. Die Vernetzung von Gegenständen im Internet und deren Steuerung nennt man „Internet of Things“. Ein derartiges Fahrzeug ist also genau so ein “Thing”.

Sicherheit – eine zweischneidige Sache

Fahrassistenten sind für den Fahrer hilfreich – und sie können auch so manche brenzlige Situation meistern helfen. Sie tragen also vor allem zur Sicherheit bei. Der Fahrer wird bei Unaufmerksamkeit gewarnt. In vielen Situationen erleichtert das die Fahrt und es werden dadurch natürlich auch Leben gerettet. Durch die Computerisierung der Autos gelangen wir aber in einen völlig neuen Bereich der Sicherheit – in den der Cybersicherheit – also den der Computersicherheit. Dadurch dass Fahrzeuge plötzlich mehr Computer als Auto sind, können sie auch die gleichen Probleme haben, die wir von unseren Computern zu Hause gewohnt sind.

Computersoftware hat Fehler. Fehlerfreie Software gibt es nicht. Aus diesem Grund hat auch Software in Fahrzeugen Fehler. Die Autohersteller sind natürlich allesamt Bemüht, ihre Fahrzeuge so sicher wie möglich zu machen – nicht nur im Sinne von physischer Sicherheit gegen Crashs, sondern auch Sicher vor Cyberattacken. Genauso wie sich unser PC einen Virus einfangen kann, kann auch ein Fahrzeug infiziert oder gehackt werden.

Sie halten das für unmöglich? Dann sehen Sie sich diesen Film über einen 2014er Jeep Cherokee an:

Das Video zeigt, wie ein ganz normales Straßen-zugelassenes Fahrzeug gehackt wird. Die Hacker übernehmen das Fahrzeug vollständig – und der Lenker hat keine Kontrolle mehr über “sein” Auto. Die Hacker können die Lenkung, Gas, Bremse über das Internet steuern.

Auf der einen Seite reden wir daher wie die Assistenzsysteme die Sicherheit von Fahrzeugen erhöhen. Auf der anderen Seite bringen diese neuen Funktionen natürlich auch eine Reihe an neuen Gefahren.

Daten

Ein Fahrzeug das autonom unterwegs sein kann – wie der Tesla 3 – produziert in einer Sekunde! – ca. 1 Gigabyte an Daten. Diese Daten enthalten unter anderem natürlich die Position, Geschwindigkeit, Lenk-, Brems- und Beschleunigungsvorgänge, Reifendruck, Motortemperatur, Innenraumtemperatur, Wetterbedingungen, Abstand zum vorderen, hinteren und seitlich fahrenden Fahrzeugen, Anzahl des Ansprechens der Gurtstraffer, u.v.a.m. Diese Daten werden benötigt, damit der Bordcomputer das Fahrzeug steuern kann.

Es werden aber auch Daten außerhalb des Fahrzeuges erhoben. Die Section Control ist ein gutes Beispiel. Hier wird beim Einfahren und beim Ausfahren des Bereichs der Section Control – jedes einzelne Kennzeichen fotografiert. Durch die Zeit die ein Fahrzeug benötigt um diese “Section” zu durchfahren wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit errechnet. Ist nun die Durchschnittsgeschwindigkeit höher als die erlaubte, wird eine Strafe fällig.

Auch bei der Kontrolle der Maut – vor allem durch die Einführung der elektronischen Mautvignette 2018 werden in Zukunft auch Kennzeichen fotografiert. Es wird dann abgeglichen ob das Kennzeichen als Mautzahler registriert ist. Sollte das nicht der Fall sein, wird auch hier eine Strafe fällig.

In beiden Fällen ist gesetzlich vorgesehen, dass diese Kennzeichendaten sofort gelöscht werden, sollte es sich um einen “braven Bürger” handeln. Nur diejenigen der Verkehrssünder dürfen behalten werden.

Wem gehören die Fahrzeugdaten?

Das Problem ist, dass Daten niemandem gehören. Das Datenschutzrecht regelt nur dass personenbezogene Daten geschützt werden müssen, um die Grundrechte dieser Personen zu schützen.

Daten werden also an den Automobilhersteller übertragen. Manche Hersteller bieten an dass diese Übertragung unterbunden werden kann. Dann können natürlich auch alle Dienste die damit in Zusammenhang stehen nicht mehr genutzt werden.

Der Automobilhersteller erhält also die vom Auto produzierten Daten. Muss er diese Daten nun nach dem Datenschutzgesetz auch schützen? Das ist eine Streitfrage. Der Automobilhersteller kennt zwar den Zulassungsinhaber, bzw. denjenigen der den Vertrag zur Erbringung der Datengebundenen Dienste mit ihm abgeschlossen hat (z.B. BMW Connected Drive). Er weiß aber nicht wer das Fahrzeug lenkt. Daher stellen sich manche Anbieter auf den Standpunkt, dass es sich bei den Daten um Fahrzeuggebundene Daten, nicht aber um Personengebundene Daten handelt. In diesem Fall greift also das Datenschutzgesetz nicht.

Öffentliche Sicherheit

Es gibt nun noch eine dritte Variante von Sicherheit neben den oben beiden zitierten (Crash Sicherheit und Computersicherheit) – nämlich die der öffentlichen Sicherheit. Innenminister Sobotka hat im Zuge des Sicherheitspaketes – einem Bündel an Gesetzesänderungen – die den Strafverfolgungsbehörden weitreichende Befugnisse zur Überwachung der Bevölkerung einräumen – auch Zugriff auf die Daten der elektronischen Maut angemeldet. Es wäre natürlich sehr praktisch, wenn man zu jeder Zeit wüsste wo sich ein KFZ in Österreich befindet. Sollte ein KFZ im Zuge eines Verbrechens verwendet werden – wüsste man sofort wo dieses zuletzt (elektronisch) gesehen wurde.

Das Problem mit solchen Forderungen ist jedoch – dass damit ähnlich wie bei der Vorratsdatenspeicherung – die Daten von allen Fahrzeugen in Österreich gespeichert würden. 99,9% dieser Fahrzeuge würden nie im Zuge eines Verbrechens verwendet werden. Trotzdem würden die Daten von allen KFZ in Österreich “auf Vorrat” und ohne Verdacht gespeichert werden. Es gäbe vollständige Bewegungsprofile über diese Fahrzeuge.

Im Grunde wäre das eine vollständige Überwachung der Menschen die mit KFZ in Österreich unterwegs sind. Es gäbe dadurch vollständige Bewegungsprofile der Fahrzeuge.

Uber und die Taxis

Es gibt einen – derzeit über die Gerichte – ausgetragenen Streit zwischen Uber und den Taxis in Österreich. In Österreich funktioniert Uber so, dass ausschließlich Mietwagen für Uber verwendet werden (das Modell, das jedermann sein privat-KFZ über Uber an Mitfahrwillige vermittelt – ist in Österreich Gewerberechtlich nicht zulässig). Die Taxifahrer wehren sich vehement gegen die Konkurrenz von Uber.

Das Gefecht ist verständlich. Wenn wir uns aber überlegen wo die Reise hingeht, dann ist dieses Gefecht bereits verloren bevor es begonnen hat. Es wird in Zukunft keine Taxifahrer mehr geben. Weder Taxifahrer noch Uber Fahrer.

Das Ziel ist dass die Fahrzeuge autonom (Fahrerlos) auf den Straßen unterwegs sind – und es ist absehbar, dass dieses Ziel erreicht werden wird. Es wird noch etwas länger dauern, als uns manche glauben machen möchten, bis die Mehrheit der Fahrzeuge so weit ist, aber es wird passieren.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Zukunft so aussieht, dass es eine Taxi App gibt, auf der ich ein Fahrzeug rufe – und einige Minuten später steht ein Fahrzeug vor der Türe. Drinnen sitzt aber kein Fahrer mehr.

Es ist daher anzunehmen, dass die Versorgung mit Taxis außerhalb der Ballungsräume sich ebenfalls dramatisch verbessern wird. Da keine Fahrer mehr in einem Fahrzeug sitzen, ist es nicht ganz so schlimm, wenn ein Fahrzeug längere Stehzeiten hat. Die Hauptkosten von Taxis sind die Personalkosten – nicht die des Fahrzeuges. Dadurch wird es wesentlich einfacher werden, Taxidienste auch in nicht so dicht besiedelten Gebieten anzubieten.

Werden wir noch selbst Fahrzeuge besitzen?

Wir nehmen an, dass autonom fahrende Taxis auf Knopfdruck innerhalb von einigen Minuten vor unserer Haustüre stehen können. Wir nehmen auch an, dass diese Dienste auch aufgrund des wegfallenden Personals billiger werden. Wenn dem so ist – welchen Grund gibt es dann noch sich selbst ein Fahrzeug zu kaufen – vielleicht auch noch eine Garage zu bauen – oder zumindest zu mieten?

Der einzige Grund wäre vermutlich noch der Spaß am Fahren selbst. Mit dem Cabrio am Wochenende bei Sonnenschein durch die Landschaft zu düsen.

Es ist schon derzeit absehbar, dass die Jugend Autos nicht mehr als Statussymbol sieht. Städtische Bewohner sehen das Auto vermehrt als Last. Es wird auf neue Modelle wie Car-sharing umgestiegen.

Es ist daher anzunehmen, dass in Zukunft weniger Personen selbst ein Auto besitzen werden, und andere Modelle für die Mobilität genutzt werden.

Ethische Fragen

Selbstfahrende Fahrzeuge bringen auch ganz neue Herausforderungen. 100%ige Sicherheit wird es nicht geben. Selbstfahrende Fahrzeuge werden voraussichtlich weniger Unfälle provozieren, wie solche die von Menschen gefahren werden. Unfälle werden aber dennoch vorkommen. In Unfallsituationen muss sich der Fahrzeuglenker oft für das “kleinere Übel” entscheiden. Beispielsweise weicht ein Fahrer einem frontal entgegenkommenden LKW auf den Gehsteig aus – und nimmt dabei in Kauf dass möglicherweise auf dem Gehsteig gehende Passanten getötet werden um sich selbst und die Fahrzeuginsassen zu schützen.

Solche Entscheidungen wird in Zukunft der Computer des selbst fahrenden Autos treffen müssen. Der Entwickler der Software muss diese Fragen in Algorithmen gießen.

Es geht in diesem Fall darum den Wert eines Menschenlebens gegen das eines anderen Abzuwägen. Das sind sehr schwierige Fragen, die es zu lösen gilt, und die vermutlich schwieriger zu lösen sein werden, als technische Details.

Digital Society

Es gibt also noch sehr viel zu tun.

  1. Es braucht Regelungen und Normen um die Computersicherheit von Fahrzeugen zu erhöhen
    IoT und Sicherheit ist eines der wichtigsten Themen der nächsten Zeit. Die Digital Society arbeitet im Rahmen der Austrian Standards intensiv am Thema IoT und Sichereit mit.
  2. Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen für autonomes Fahren
    die den Einsatz von selbst fahrenden Fahrzeugen regeln
  3. Grundrechtliche Fragen
    Wie ist das Grundrecht auf (unbeobachtete) Reisefreiheit und der Hunger nach Überwachung zur Terrorbekämpfung zu bewerten?
  4. Ethische Fragen müssen diskutiert und gelöst werden
    Schwierige ethische Fragen sind zu lösen. Wie bewertet ein autonomes Fahrzeug den Wert von Menschenleben.
  5. Gesellschaftliche Fragen
    Wir müssen uns im klaren sein, dass es in Zukunft mehr Ingenieure braucht – aber weniger Taxifahrer. Die Frage ist, wie wir unsere Gesellschaft darauf vorbereiten.

Diese und viele andere Fragen müssen offen diskutiert werden und Lösungen gefunden werden – die uns als Gesellschaft weiterbringen, im Sinne unseres Slogans “… changing the digital world together!”.

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Werner Illsinger

Präsident bei Digital Society
Die Vorteile der digitalen Technologien zu verbreiten und eine kritische Auseinandersetzung zu fördern, ist die Mission von Werner Illsinger seit er in den 80er Jahren die HTL für Nachrichtentechnik absolviert hat. Er hat einen der ersten Internet Provider in Österreich aufgebaut, hat Erfahrung im Vertrieb, Management und Geschäftsführung bei internationalen Konzernen,Referent und Vortragender bei nationalen und internationalen Veranstaltungen und Konferenzen, Mitglied im nationalen Beirat für Informationsgesellschaft des Bundeskanzleramts,sowie Präsident der DigitalSociety.
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