ClubComputer und Digital Society luden zum Vortrag von Max Tertinegg (coinfinty) ein. Wir fassen hier Elemente des Vortrags zusammen. Die oft grafisch aufgebauten Folien wurden – soweit das möglich ist – beschrieben, um unseren blinden Mitgliedern den Zugang zu erleichtern. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und wird in den nächsten Tagen von Michael als YouTube-Video produziert. Bitte schaut auf die Links auf dieser Seite, wir werden das Video nachtragen. Alle Unterlagen sind immer auch auf der Nachleseseite zu unseren Veranstaltungen zu finden.


Max Tertinegg
max@coinfinity.co
Coinfinity GmbH
Bitcoin Broker / Blockchain consulting
www.coinfinity.co

Bitcoin und digitale Währungen

Wie kann man sich die Funktionsweise von bitcoin vorstellen?

Das folgende Bild zeigt einen Vogelschwarm (auch Fischschwärme zeigen ein solches Verhalten) und der Betrachter hat den Eindruck, als gäbe es hinter diesem Gebilde eine ordnende Hand, die dem einzelnen Vogel sagt, wie er sich zu verhalten habe. Aber das ist nicht der Fall. Vielmehr folgt der einzelne Vogel der ganz einfachen Regel, so zu fliegen wie sein Nachbar das tut. Die Vögel am Rand reagieren auf die Umwelt (Futter, Gefahr) und lenken mit ihrem Verhalten den ganzen Schwarm, weil sich ihre Reaktion auf alle Vögel weiter innen überträgt.

Ganz ähnlich ist es mit bitcoin. Es gibt nicht so etwas wie eine Bitcoin-Zentrale, die einen entscheidenden Einfluss auf das Geschehen hätte. Den Vögel entsprechen die Nodes des bitcoin-Netzwerks. Jeder mit einem PC kann ein solcher Node sein und zur Funktion des Gesamtsystems beitragen, indem er Rechenleistung übernimmt.

Was verwaltet ein solcher Node?

Jeder Node verfügt über eine Datenbank (ca. 130 GB) mit allen Transaktionen, die seit Bestehen des bitcoin-Netzwerks durchgeführt worden sind.

Wer hat bitcoin erfunden?

In einem Artikel auf www.bitcoin.org beschrieb Saikoshi Nakamoto (Pseudonym) die Funktionsweise seiner Erfindung. Hier ist ein Link zum PDF-Dokument Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System

Abstract: A purely peer-to-peer version of electronic cash would allow online payments to be sent directly from one party to another without going through a financial institution. Digital signatures provide part of the solution, but the main benefits are lost if a trusted third party is still required to prevent double-spending. We propose a solution to the double-spending problem using a peer-to-peer network. The network timestamps transactions by hashing them into an ongoing chain of hash-based proof-of-work, forming a record that cannot be changed without redoing the proof-of-work. The longest chain not only serves as proof of the sequence of events witnessed, but proof that it came from the largest pool of CPU power. As long as a majority of CPU power is controlled by nodes that are not cooperating to attack the network, they’ll generate the longest chain and outpace attackers. The network itself requires minimal structure. Messages are broadcast on a best effort basis, and nodes can leave and rejoin the network at will, accepting the longest proof-of-work chain as proof of what happened while they were gone.

Zusammenfassung (Google-Übersetzung): Eine Peer-to-Peer-Version von elektronischem Geld würde es ermöglichen, dass Online-Zahlungen direkt von einer Partei zur anderen geschickt werden, ohne dazu ein Finanzinstitut zu benötigen. Digitale Signaturen sind Teil der Lösung, aber die Hauptvorteile gehen verloren, wenn ein vertrauenswürdiger Dritter verpflichtet ist, Doppelausgaben zu vermeiden. Wir schlagen eine Lösung für das doppelte Ausgabenproblem mit einem Peer-to-Peer-Netzwerk vor. Die Netzwerk-Zeitstempel-Transaktionen, indem sie sie in eine laufende Kette von Hash-basierten Proof-of-Work, die eine Aufzeichnung, die nicht geändert werden kann, ohne Wiederholung der Proof-of-Work. Die längste Kette dient nicht nur als Beweis für die Reihenfolge der Ereignisse, sondern der Beweis dafür, dass es aus dem größten Pool der CPU-Leistung kam. Solange eine Mehrheit der CPU-Leistung von Knoten gesteuert wird, die nicht kooperieren, um das Netzwerk anzugreifen, erzeugen sie die längste Kette und überholen Angreifer. Das Netzwerk selbst erfordert eine minimale Struktur. Nachrichten werden auf einer bestmöglichen Bemühung ausgestrahlt, und die Knoten können verlassen und wieder in das Netzwerk nach Belieben, akzeptieren die längste Beweis-of-Work-Kette als Beweis für was passiert, während sie weg waren.

Bitcoin Live Demo

In einer Live-Demo wurde gezeigt, wie man einen Geldbetrag aus der eigenen Geldbörse (Wallet) an einen Zahlungsempfänger übergibt. Der große Unterschied zu derzeit üblichen Transaktionen ist der, dass bei Banküberweisungen der Empfänger Kontozugang hat und sich das Geld vom Konto abbuchen kann (Pull-Transaktion), wogegen bei bitcoin der Zahlungspflichtige der ist, der den Geldbetrag dem Geschäftspartner übergibt ohne dass der Partner dafür ein Zugriffsrecht auf die eigene Geldbörse hat (Push-Transaktion). Weiters muss man beachten, dass bei allen Bank-Transaktionen immer das Geldinstitut als Vermittler benötigt wird, wogegen bitcoin ganz ohne eine solche Vermittlung auskommt.

Eine bitcoin-Geldbörse ist einer herkömmlichen Geldbörse sehr verwandt, weil man Geld von einer Geldbörse in die andere verschieben kann (Wallet <-> Wallet), etwas, was mit der Bankomatkarte nicht funktioniert, weil dabei der Zahlende und der Zahlungsempfänger keine gleichartigen Endgeräte verwenden. (Bankomatkarte -> Terminal).

Wie lange dauert eine solche Transaktion?

Wenn man im Hotel Schani sein Bier mit bitcoin bezahlt, funktioniert diese Zahlung verzögerungslos. Es besteht aber noch eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Akzeptanz der Transaktion seitens des bitcoin-Netzwerks, d.h. die Transaktion kann eventuell noch zurückgewiesen werden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür gering und bei dem kleinen Betrag unkritisch. Wenn es allerdings um höhere Beträge geht, sollte man sich Zeit nehmen und eine größere Anzahl von Bestätigungen abwarten bis man das Geschäft akzeptiert.

Bitcoin Wallet

  • “Digitale Geldbörse”
  • Sammlung von Adressen
  • Adresse = “Kontonummer”
  • Anders als bei herkömmlichen Geldgeschäften verwendet eine bitcoin-Geldbörse für jede Transaktion eine andere “Kontonummer”, was den Vorteil hat, dass andere nicht das prosönliche Zahlungsverhlaten aufgrund einer einzigen Kontonummer nachverfolgen können; immerhin sind alle Zahlungsvogänge für jedermann einsehbar.

Bitcoin-Adresse

14cMLY5HFhAKdmgvJg8WvkNJNKX7my2y5D

Diese langen Adressen werden nicht abgetippt sondern als QR-Kode vom Handy gelesen.

PRIVATER SCHLÜSSEL

Private key Bitcoin Adresse
Zufallszahl, single unsigned 256 bit integer Hash des public key
5KGxD1Es7wUa682mPgyR gMkq9dDX7Ri!v5AY1Cga gkqx72CnTA 14cMLY5HFhAKdmgvJg 8WvkNJNKX7my2y5D

Bitcoin Wallet

  • App am Smartphone
  • Programm am Computer
  • Online Wallet im Web
  • Hardware Wallet
  • Paperwallet

Wallet Apps

  • iPhone: Copay
  • Android: Mycelium, Copay
  • Windows Phone: Copay
  • Mac / PC: Copay, Electrum, Bitcoin Core

Bitcoin Wallet Apps

  • “Be you own bank”
  • Viele Freiheiten – aber große Verantwortung
  • Unbedingt Backup erstellen!

Was ist Bitcoin?

  • Ein dezentrales, digitales Zahlungsnetzwerk
    • Peer-to-peer: von Person zu Person
    • Schnelle Transaktionen
    • Open source und transparent
    • Niedrige Einstiegsschwelle
    • Weltweite Zahlungen möglich
    • Auch für Personen ohne Bankkonto
  • Eine globale digitale Werteinheit / “Währung”
  • Eine völlig neue Asset-Klasse: “Digitale Währung” / “Kryptowährung”
    Zitat (Bank of England): Old Money, New Money: “Digital currencies are ‘harder money’ than a gold standard” http://www.bankofengland.co.uk/research/Documents/conferences/ah0515.pdf
  • Bitcoin als Wertträger
    • “Digitales Gold”
    • Max. 21 Millionen Bitcoins
    • 1 BTC = 100.000.000 Satoshis
  • Eine digitale, dezentrale Weltreservewährung?

Geldmenge

Im Gegensatz zu Staatsgeld ist die ausgegebene Menge an bitcoin immer bekannt und beträgt derzeit etwa 17 Mio bitcoin. Die Menge ist insgesamt mit 21 Millionen bitcoin beschränkt. Es begann im Jahr 2009 mit der Generierung des ersten bitcoin. Die Beschränkung ergibt sich daraus, dass sich die erzeugte Menge an bitcoin alle vier Jahre in Form eine geometrischen Reihe halbiert und im Jahr 2033 schließlich 21 Millionen bitcoin ausgegeben sein werden.

Eine Inflation wie sie durch den willkürlichen Banknotendruck entstehen kann, gibt es bei bitcoin nicht.

Eigenschaften von Bitcoin

  • Geldmenge” vorhersehbar
  • Kein beliebiges “Gelddrucken” möglich
  • Bitcoin ist keine Forderung
  • Nicht schuldenbasiert

Historische Leitwährungen

1450-1530 Portugal
1530-1640 Spanien
1640-1720 Holland
1720-1815 Frankreich
1815-1920 England
1920-.... USA

Quelle: Smart Money Financial Group

Andere digitale Währungen

Die Anzahl der existierenden digitalen Währungen ist fast schon unüberschaubar. Die Seite http://coinmarketcap.com/ zählt 877 verschiedene Währungen und reiht sie nach dem Marktwert. Demnach liegt bitcoin mit 40 Mia. USD an erster Stelle, gefolgt von Ethereum mit 32 Mia.

Blockchain

  • Die Blockchain ist eine dezentrale, verteilte Datenbank
  • Durch “Mining” synchronisiert
  • frei zugänglich
  • Nicht manipulierbar

Anwendung: E-Commerce

  • Gebührenfreies Empfangen von Zahlungen
  • Einfache internationale Zahlungen
  • Bitcoin Transaktionen sind irreversibel
  • Automatische Umwandlung in EUR möglich
  • Hoher Marketing-Effekt

Wer akzeptiert Bitcoin?

  • Microsoft
  • Rakuten
  • overstock
  • Edeka
  • Dell
  • airBaltic
  • Expedia
  • lieferservice.at
  • Stadtgemeinde Zug (Schweiz)
  • Hotel Schani (Wien Favoriten, Sonnwendviertel)

Anwendung: Geldüberweisung (Remittance)

  • ~440 Mrd. USD / Jahr in Entwicklungsländer
  • ~8% Gebühren = 35,2 Mrd. USD
    http://siteresources.worldbank.org/INTPROSPECTS/Resources/334934-1288990760745/MigrationandDevelopmentBrief24.pdf

Anwendung: instabile Staaten

Anwendung: Wertanlage

  • Durch Mengenbegrenzung deflationär
  • Fälschungssicher
  • Hohe Sicherheit vor Fremdzugriff
  • Private und institutionelle Investoren werden aufmerksam

Bitcoinpreis

Bitcoin ist (noch) sehr volatil

MAI  2010: 1 BTC ~ 0,002 EUR
JUNI 2017: 1 BTC ~ 2.500 EUR

Quelle: https://bitcointalk.org/index.php?topic=137.0
Quelle: https://blockchain.info/charts/market-price?timespan=all

Wie bekommt man Bitcoin?

  • Produkte oder Dienstleistung für BTC anbieten
  • Kaufen für EUR, USD …
  • Mining (nur mit eigener Hardware und mit hohem Aufwand rentabel)

Bitcoin kaufen

  • Broker: coinfinity.co, coinbase.com, bitcoin.de
  • localbitcoins.com
  • Online Börsen: Bitstamp, Kraken, Bitfinex
  • Bitcoin-Automaten: www.bitcoinbon.at

Offene Fragen

  • Bitcoin ist nach wie vor ein Experiment
  • Skalierbarkeit noch ungeklärt, aber Lösungsmöglichkeiten, z.B. Lightning Network
  • Der Bitcoin-Kurs ist sehr volatil
  • Keine einheitlichen Regulierungsmaßnahmen

Analogie

Die Frage, wie sich bitcoin und die Blockchain-Technologie in Zukunft entwickeln wird, ist etwa so, wie wenn man im Jahr 1990 nach den Möglichkeiten des Internet gefragt hätte. Niemand hätte damals Facebook, Wikipedia und amazon voraussagen können.

Links

Erstinformation

Österreich

Filme

  • ORF (Report vom 06.06.2017 um 21.05 Uhr): “Krypto-Währungen: Bitcoin-Boom (Link auf Anfrage)
  • Weltspiegel (10.1.2017) : Weltweit: Bitcoins – das Geld der Zukunft (Link auf Anfrage
  • ServusTV – Bitcoins

Informationen bei ClubComputer

  • Bitcoin I und II: Erste Zahlung im Hotel Schani, Wie kommen die Bitcoin in ein Wallet? Wie viel Geld kann man in die Geldbörse laden? Wie bekommt man das Geld auf das Handy? Wie hoch ist die Transaktions-Gebühr? Bitcoin-Core.
  • Bitcoin III: Wie viele Bitcoin gibt es? Was repräsentiert den Wert einer Währung? Elektronische Geldbörsen. Bitcoin-Wallets. Netzknoten. Wo sind die Knoten des Bitcoin-Netzes? Wie weiß man, dass man ein Teil des Netzwerks ist? Wie finde man die einzelnen Nodes= Wie wird eine Zahlung abgebildet? Wie kann man eine Zahlung nachvollziehen? Was ist die “Schwierigkeit” des Bitcoin-Programms? Links.

 

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Franz Fiala

Vizepräsident Clubcomputer / Herausgebr PCNews bei PCNEWS
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.
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