bank-note-209104_1280In den letzten Wochen wurde viel über die Abschaffung der 500 EUR Scheine – und damit auch gleich über die Abschaffung des Bargeldes diskutiert. Die ÖVP und auch FPÖ wollen gar das Bargeld in die Verfassung schreiben.Bargeld ist aber nur eine Bezahltechnologie – und zwar eine recht alte.

Es ist abzusehen, dass sich das Bezahlverhalten verschiebt. Das tut es jetzt schon. Viele zahlen über Bankomatkassen – oder auch Kreditkarte und das Bezahlen mit dem Handy ist noch eine vergleichsweise recht junge Technologie.

Bargeld wird sicherlich weniger werden, wie es auch schon über die letzten Jahre weniger wurde. Unbare Bezahltranskationen werden zunehmen, schon alleine weil der Online Handel zunimmt, und Barzahlung ist im Onlinegeschäft schlicht und einfach nicht möglich.

In manchen Ländern wie Schweden sieht man derzeit schon wo die Zukunft liegt. Dort wird fast nur n och von Touristen bar gezahlt. Sogar Zeitungsverkäufer verkaufen die Zeitung über Bezahlterminals am Handy.

Der Grund dafür ist Simpel. Bargeld ist ineffizient und teuer – und zwar in der Produktion (Druck der Scheine und Münzen), im Handling (für Banken aber auch für Händler – die die Tageslosung entweder vom Geldboten abholen lassen müssen, oder selbst under erheblichem Risiko zum Nachttresor der Bank bringen müssen – und nicht zuletzt für jeden einzelnen, der sich über große Münzmengen in der Geldbörse ärgert). Sogar der Bezahlvorgang ist teuer und Risikobehaftet – Die Geldbeträge müssen gezählt werden, und die Gefahr dass sich jemand verzählt, falsch heraus gibt ist im Vergleich zu elektronischen Bezahlsystemen recht hoch.

Selbst Kartenbasierte elektronische Bezahlsysteme sind mühsam. Wir wissen alle wie viele Karten wir mit uns herumtragen. Es gibt viele Menschen die sich wünschen dass das Handy die Geldbörse ersetzen sollte. Das Handy ist ständig dabei – und wenn man genau überlegt, dann gibt es keinen wirklichen Grund warum man zusätzlich zum Handy eine Geldbörse mit sich herumschleppen sollte, wenn das Handy zum bezahlen genutzt werden könnte.

Einzig verbleibendes Problem ist, dass unsere Privatsphäre nicht gewahrt werden kann, wenn es kein Bargeld mehr gibt. Das hat aber nichts mit elektronischen Bezahlsystemen per se zu tun, sonder nur mit der Art und Weise wie diese implementiert sind. Auch elektronische Bezahlsysteme könnten derartig implementiert werden, dass der Käufer nicht transparent ist. Bitcoin ist hier ein Beispiel eines elektronischen Bezahlsystems – da der Käufer bei Bitcoin anonym bleibt.

Es spricht daher weder aus einer technischen Sicht etwas für die Beibehaltung von Bargeld – noch aus der Sicht der Privatsphäre, wenn elektronische Bezahlsysteme implementiert würden, die auf diesen Aspekt Rücksicht nehmen, bzw. höhere Verbreitung erlangen.

Einziges verbleibendes Argument für Barged ist, dass es auch im Katastrophenfall funktioniert. Wenn alle Elektronik ausfällt kann man noch immer auf Bargeld zurückgreifen. Das funktioniert auch wenn im schlimmsten Fall ein EMP alle Rechner nach einem Atomschlag außer Funktion setzen würde. In so einem Falle kämen wir aber in vielen Fällen nicht mehr zu Bargeld, da dies über Bankomaten schon heute elektronisch ausgegeben würde – und die Banken keine Ahnung über Kontostände hätten, wenn deren Rechner auch nicht laufen.

 

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Werner Illsinger

Präsident bei Digital Society
Die Vorteile der digitalen Technologien zu verbreiten und eine kritische Auseinandersetzung zu fördern, ist die Mission von Werner Illsinger seit er in den 80er Jahren die HTL für Nachrichtentechnik absolviert hat. Er hat einen der ersten Internet Provider in Österreich aufgebaut, hat Erfahrung im Vertrieb, Management und Geschäftsführung bei internationalen Konzernen,ist Referent und Vortragender bei nationalen und internationalen Veranstaltungen und Konferenzen, ,sowie Präsident der DigitalSociety.
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