Es ist extrem erschreckend was in Paris passiert ist. Es wurden sehr viele - vollkommen unschuldige Menschen von Terroristen getötet. Ich fühle mit den vielen Angehörigen, die Freunde, Verwandte, Kinder verloren haben.

Was danach passiert ist ebenfalls erschreckend. Es wird von vielen Politikern auf unsere europäischen Werte verwiesen - und darauf, dass wir uns diese nicht nehmen lassen dürfen. Gleichzeitig wird gefordert alles erdenkliche zu unternehmen, dass so etwas nie wieder passieren kann - und dabei gefordert dass ebendiese europäischen Werte wie Freiheit und Demokratie mit Füßen getreten werden.

Ein Beispiel? Hier ÖVP Clubobmann Reinhold Lopatka auf Twitter:

Lopatka-buergerrechte

 

 

Herr Lopatka fordert also allen ernstes die Bürgerrechte einzuschränken - um erfolgreicher im Kampf gegen den Terror zu sein. Ich habe zwar keine Statistiken für Europa zur Hand, aber eine aus den USA. Wir müssen uns einmal klar machen - so schrecklich die Ereignisse in Paris oder auch die von New York 9-11 gesen sein mögen. Durch Terrorismus kommen im Vergleich zu anderen Todesarten extrem wenige Menschen zu Schaden. Natürlich ist jeder einzelne zu viel, aber wir sollte es einmal in Perspektive setzen:

Terror-vs-guns2001 starben in den USA über 2000 Menschen bei 9-11. Im Vergleich dazu werden jedes Jahr in den USA über 10.000 Menschen erschossen, bei Raubüberfällen, Ehestreitigkeiten, etc. In den Jahren seit 9-11 - ist die Anzahl der durch Terrorismus getöteten so vernachlässigbar gering, dass man sie in der Graphik nicht mehr erkennen kann. Also 2001 - 2011 starben über 100.000 Menschen durch Schusswffegebrauch (nicht terroristisch motiviert), aber owohl 9-11 der größte Terrorangiff auf die USA war, rund 2.000 Menschen.

Warum ändert niemand die Waffengesetze in den USA? Warum verlangt niemand die Lückenlose Überwachung des Waffenhandels? Wir könnten damit in 10 Jahren über 100.000 Menschenleben retten, dafür versucht aber niemand die Grundrechte abzuschaffen.

Zudem war allen Anschlägen von 9-11 über Charlie Hebdo bis hin zum Anschlag in Paris gemein, dass die Sicherheitsbehörden die Täter kannten. Es gab also einen Tatverdacht. Dieser hätte ausgereicht - hätte man die notwendigen Ressourcen bei der Polizei die Täter besser zu überwachen, mittels Richterlichem Befehl. Das ist auch ein Prinzip unserer Rechtsstaatlichkteit. Dass die Exekutive einen Richter davon überzeugen muss, dass es einen Tatverdacht gibt - und nicht tun und lassen kann, was sie will. Macht braucht Kontrolle. Das ist das Prinzip unserer Demokratie.

Die Wahrscheinlichkeit in Europa durch einen Terroranschlag zu sterben ist geringer als die Gefahr durch einen Blitzschlag zu sterben. Wir sollten eher an besseren Blitzschutzmaßnahmen arbeiten, als daran die Vorratsdatenspeicherung wiedereinzuführen, und das Staatsschutzgesetz in Österreich zu beschließen und Geheimdiensten immer mehr Möglichkeiten zu geben.

Europäische Werte sind Freiheit und Gleichheit, die Möglichkeit an Wahlen teilzunehmen und in Frieden und mit einer geschützten Privatsphäre zu leben. Verteidigen wir diese Werte. Lassen wir uns von Terroristen nicht unterkriegen. Lassen wir uns unsere persönlichen Freiheiten und Grundrechte nicht wegnehmen. Schon gar nicht von Terroristen oder fehlgeleiteten Politikern (die wir ja in ihr Amt gewählt haben).

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Werner Illsinger

Präsident bei Digital Society
Die Vorteile der digitalen Technologien zu verbreiten und eine kritische Auseinandersetzung zu fördern, ist die Mission von Werner Illsinger seit er in den 80er Jahren die HTL für Nachrichtentechnik absolviert hat. Er hat einen der ersten Internet Provider in Österreich aufgebaut, hat Erfahrung im Vertrieb und Management bei internationalen Konzernen, davon 17 Jahre bei Microsoft. Er ist Geschäftsführer der Raiffeisen Informatik Consulting, Referent und Vortragender bei nationalen und internationalen Veranstaltungen und Konferenzen, Mitglied im nationalen Beirat für Informationsgesellschaft des Bundeskanzleramts,sowie Präsident der DigitalSociety.
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